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    Mittwoch, 24. September 2025, 5:05 Uhr
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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 24. September 2025

    Gernot Danowski im Gespräch mit Alexander Eisenkopf, Bernhard Heinzlmaier und Christian Eckl – Kontrafunk-Kommentar: David Boos

    Evelyn Palla soll als neue Chefin der Deutschen Bahn das schwächelnde Unternehmen auf Vordermann bringen. Einschätzungen dazu von Alexander Eisenkopf, Professor für Verkehrspolitik. Vor drei Jahren hat Nordrhein-Westfalen den vorzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle beschlossen. Wie es dem Land damit geht und ob noch ein Wechsel in der deutschen Energiepolitik zu erwarten ist, erörtert Autor Christian Eckl. Die Stadt Wien reagiert auf die ausufernde Jugendkriminalität mit einem Orientierungshilfe-Programm für Intensivtäter. Prof. Bernhard Heinzlmaier analysiert, was solche Programme nützen. Und David Boos beschäftigt sich im Kommentar mit den Proteste in den Niederlanden nach zahlreichen Morden an jungen Frauen.

    Interview 1

    Alexander Eisenkopf: Die Deutsche Bahn – neue Chefin, neue Strategie, altes Desaster

    Interview 2

    Christian Eckl: Vorgezogener Kohleausstieg – wie geht es weiter in NRW?

    Interview 3

    Bernhard Heinzlmaier: „Buddy-Programm“ für jugendliche Intensivtäter in Wien

    Kommentar

    David Boos: Ausschreitungen in den Niederlanden

    Eine Welle von Protesten ergreift nach zahlreichen Morden an jungen Frauen die westliche Welt. In Deutschland und den USA mussten Liana K. und Iryna Zarutska ihr Leben lassen, in den Niederlanden ist es kaum einen Monat her, dass die 17-jährige Lisa einem Asylbewerber aus Nigeria auf dem Heimweg von Freundinnen zum Opfer fiel.

 Öl ins Feuer der ohnehin lodernden Asyldebatte in den Niederlanden: Anfang Juni ließ Geert Wilders, Wahlsieger von 2023, die Regierung platzen. Er hatte 2024 zwar aus pragmatischen Gründen auf ein Ministeramt verzichtet, doch die Verschärfung des Asylrechts war ein Kernpunkt seines Wahlkampfs – und die Bevölkerung erwartete Ergebnisse. Doch diese blieben aus, da die Vorschläge von Wilders immer wieder aufs Abstellgleis geschoben wurden – bis dieser, auch aufgrund fallender Umfragewerte, nicht länger mitmachte. Seitdem gewinnt die Debatte um die Asylpolitik an neuer Dringlichkeit und erreichte mit den Ausschreitungen am Rande einer friedlichen Kundgebung in Den Haag am vergangenen Samstag einen neuen Höhepunkt. Demonstranten hatten sich dabei mit der Polizei Straßenschlachten geliefert, ein Wasserwerfer und Tränengas kamen zum Einsatz, die Bilder eines brennenden Polizeiautos gingen um die Social-Media-Welt.

    Der Aufschrei der Empörung von linker Seite war natürlich groß. Es wurden alle möglichen verfassungsfeindlichen Symbole gesichtet, wenngleich es dafür kaum Bildbeweise gab, und das Ende der Demokratie wegen eines eingeschlagenen Fensters beim Parteibüro der Linksliberalen von D 66 herbeigeschrieben – inklusive obligatem Verweis auf die vermeintliche Terrorherrschaft Donald Trumps. Von anderer Seite hingegen wurde relativiert, dass es sich dabei primär um Fußballhooligans gehandelt habe, die nach einem Grund suchten, sich wie jedes Wochenende an der Polizei abzuarbeiten. Weiters kursierten Gerüchte über mögliche Unterwanderung der Demonstration durch Polizeiagenten oder die Antifa mit dem erklärten Ziel der Eskalation. Wer die niederländischen Verhältnisse allerdings ein wenig kennt, wird beim Anblick der Bilder aus Den Haag eher mit den Achseln zucken, da eine durchschnittliche Silvesternacht in Amsterdam-West oder auch der Sieg der marokkanischen Fußballnationalmannschaft meist weitaus größere Schneisen der Verwüstung durch die Innenstädte ziehen. Gewiss: Es wird sich nicht vollständig klären lassen, welche Kräfte nun tatsächlich die Verantwortung für die Eskalation der Demonstration in Den Haag tragen. Wie so oft wird es sich auch hier um eine Gemengelage handeln, bei der tatsächlich Hooligans, womöglich auch Provokateure, aber sicherlich auch extremere Teile der Rechten an den Ausschreitungen beteiligt waren.

    Doch auch hier lohnt sich die Frage nach dem Nutzen – cui bono? Die ursprünglich gemäßigte Demonstration gegen das Asylrecht der 26-jährigen Organisatorin Els Noort, einer auf Social Media aktiven bekennenden Anhängerin von Geert Wilders, wurde durch die Ausschreitungen delegitimiert. Das Ergebnis: Noort sah sich gezwungen, anzukündigen, künftig keine weiteren Kundgebungen mehr zu organisieren. Ob damit dem gemäßigten Austausch von Ideen gedient ist, darf bezweifelt werden. Wie allerorts stehen die Zeichen auf Radikalisierung. Medial und politisch wurden die Ausschreitungen hingegen erwartbar ausgeschlachtet. Der D-66-Chef Jetten sprach von „politischer Gewalt“, Frans Timmermans, Vorsitzender des Wahlbündnisses der sozialdemokratischen PvdA und der Grünen, konnte nicht widerstehen von „trumpianischen Zuständen“ zu schwadronieren, und natürlich konnte auch Geert Wilders das nicht unkommentiert lassen und nannte Timmermanns im Gegenzug einen „Scharfmacher“.

    Mit anderen Worten: Es herrscht Wahlkampf. Am 29. Oktober wird nach dem Koalitionsbruch in den Niederlanden erneut gewählt, und nachdem im Mai das rot-grüne Bündnis von Timmermans fast gleichauf mit Geert Wilders Partei für die Freiheit lag, wächst deren Zuspruch seit Wochen kontinuierlich. Internationale Ereignisse wie die Morde an Iryna Zarutska und Charlie Kirk oder die Demonstrationen in Großbritannien befeuern zusätzlich den Frust im Land – wovon neben Wilders auch die JA 21, eine Abspaltung von Thierry Baudets Forum voor Democratie, profitiert. Auch die Christdemokraten der CDA, 2023 noch bei einem historischen Tiefststand von 3,3 Prozent, erleben mit der Rückbesinnung auf klassische Werte einen Aufschwung und liegen inzwischen in Umfragen bei über 15 Prozent. 
Der medial-politische Versuch von links, diesen Widerstand gegen die Asylpolitik pauschal zu diskreditieren, zeugt von der Verzweiflung und Einfallslosigkeit einer politischen Blase, die schon längst keine echten Antworten auf die Fragen einer besorgten Bevölkerung hat. Diese wird ihre Antwort darauf am 29. Oktober geben.