Kontrafunk aktuell vom 25. Juli 2025
Tausende Ukrainer sind gegen ihren Präsidenten und ein neues Gesetz auf die Straße gegangen, im Krieg gegen die Russen läuft es schlecht – steht Wolodimir Selenskis Präsidentschaft vor ihrem Ende? Hören Sie eine Einschätzung von General a. D. Harald Kujat. Hat der ehemalige US-Präsident Barack Obama gegen seinen Nachfolger Donald Trump die Geheimdienste eingesetzt, um dem Republikaner eine Nähe zu Putin andichten zu lassen? Über jüngst in Washington enthüllte Dokumente, die das belegen sollen, berichtet Collin McMahon. Cora Stephan kommentiert die Moralkeule Rassismus und die Selbstverleugnung der Deutschen. In Japan hat die Regierungskoalition bei der Oberhauswahl die Mehrheit verloren. Was die Japaner umtreibt und wie es jetzt politisch weitergeht, beschreibt unser Mann in Tokio, Argo Nerd.
Harald Kujat: Ukraine-Krieg
Collin McMahon: Vorwürfe gegen Obama
Argo Nerd: Rechtsruck in Japan
Cora Stephan: Moralkeule Rassismus
Wie sagten sie zu ihren Kindern, wenn ihnen etwas nicht passte, damals, als die deutschen Väter noch autoritär waren? „Solange du die Füße unter meinen Tisch stellst, tust du, was ich sage.“ Beliebt war auch: „Geh doch nach drüben, wenn es dir hier nicht passt.“ Für die jüngeren Hörer: Damals gab es die DDR noch. Solcherlei muss bei vielen ein nachhallendes Trauma ausgelöst haben, weshalb manch einer es auch heute noch gar nicht schätzt, wenn Vater Staat ihm Grenzen setzt. Anders ist kaum zu erklären, warum der Bürgermeister von Vöhringen im Landkreis Rottweil, Stefan Hammer, des „tiefsitzenden Rassismus“ geziehen wird, wie es die deutschen Medien bereitwillig hinausposaunen. Er soll im Zorn einem Autohausbetreiber zugerufen haben: „Wir sind hier in Deutschland – hier gibt’s Gesetze, an die sich auch ihr zu halten habt“, und „wenn’s euch nicht passt, geht zurück.“ Rassismus? Nur weil die Familie einen türkischen Hintergrund hat? Sind Türken eine Rasse? Oder weil von „wir“ und „ihr“ die Rede ist? Sei’s drum. Der Bürgermeister, leider, bekennt sich schuldig im Sinne der Anklage. Warum eigentlich? Dem deutschen Gemeinwesen täte es unendlich gut, wenn seine Politiker, Medien, Regierenden öfter mal mit dem Fuß aufstampfen und „Wir sind hier in Deutschland“ sagen würden – in Deutschland, und nicht in irgendeinem Siedlungsgebiet, das jedem, der danach verlangt, Unterkunft und Bürgergeld bietet, ohne Gegenleistung zu erwarten, auch wenn derjenige noch nicht einmal „danke“ sagt, und zwar nicht nur deshalb, weil er kein Deutsch spricht.
Noch besser wäre es, wenn sie hinzufügen würden, was Stefan Hammer gesagt hat: „Hier gibt’s Gesetze, an die sich auch ihr zu halten habt“ – egal, ob mit oder ohne türkischen Hintergrund. Gesetze? Regeln? Verhaltenskodex? Friedenspflicht? Höflichkeit? Dankbarkeit? Gar Respekt? So etwas von Menschen zu verlangen, die noch nicht lange hier leben, gilt den guten Deutschen offenbar als unzumutbar. „Messerverbotszonen“ ausweisen, das können sie, statt denen das Handwerk zu legen, die Messer als Mordwaffen benutzen. Im Übrigen fährt kein Auto einfach so in Menschenmengen, stets sitzt jemand hinter dem Lenker, der das mit voller Absicht tut. Der mediale Neusprech, der bei jeder Gewalttat den Täter im Dunkeln lässt – es ist ja das Auto der Täter, nicht der, der es fährt – , verdankt sich der Angst vor dem Vorwurf, zu verallgemeinern, gar vor dem Vorwurf der „Volksverhetzung“. Es ist ja immer nur „ein Mann“ und nicht etwa ein Syrer oder Afghane. Solche Rücksicht und Nachsicht findet sich auch bei der Justiz. Während ein Corona-Leugner monatelang in Untersuchungshaft schmoren darf, werden nichtdeutsche Tatverdächtige oft auffallend schnell wieder laufengelassen – und nicht etwa des Landes verwiesen.
Die Selbstverleugnung in diesem Land macht uns indes zum Gespött derer, die nicht verstehen, warum sie die deutsche Gutmütigkeit nicht ausnutzen sollten. Wenn die Deutschen doch so dumm sind? Sich selbst so gar nicht achten? Dann darf man sie auch verachten. Und die Gutmütigen und Gutwilligen? Ducken sich in vorauseilendem Gehorsam, es könnte sie ja der Rassismusvorwurf treffen. Rasse ist nämlich mittlerweile voll im Trend, man muss sich nur als Rasse tarnen, schon ist möglichen Kritikern das Handwerk gelegt. Manchmal werden auch Kritik und Kritiker rechtzeitig ausgeschaltet. Etwa mit einem Messer. Der Vorwurf des Rassismus dient der moralischen Einschüchterung und der Feindmarkierung. Und das funktioniert, viel zu oft. Bürgerliche Selbstbehauptung hingegen ist eine Ausnahmeerscheinung geworden, und wenn sie einmal auftritt, wie in Vöhringen, muss sich der Schuldige umgehend das Büßergewand überwerfen. Deutschland hat sich aufgegeben. Es ist ein Gemeinwesen, das sich selbst so sehr verachtet, dass es lieber seine Regeln, seine Gesetze, die eigene Ordnung aufgibt, als sie kraftvoll und nachdrücklich durchzusetzen. Der deutsche Selbsthass liefert das Land und seine Bürger ans Messer, und viel zu oft ganz und gar im wörtlichen Sinn.
