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    Montag, 28. Oktober 2024, 5:05 Uhr
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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 28. Oktober 2024

    Stefan Millius im Gespräch mit Boris Kálnoky, Hans Mathias Kepplinger und Wolfram Kircher – Kontrafunk-Kommentar: Oliver Gorus

    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland soll reformiert werden. Darauf haben sich die Länder geeinigt. Das Programmschema der Sender dürfte ziemlich umgepflügt werden. Ob das den Namen Reform verdient, erläutert der Publizist Hans Mathias Kepplinger. Die Republik Moldau hat hauchdünn beschlossen, sich um einen EU-Beitritt zu bemühen. Bald wird zudem ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Das kleine Land übernimmt dabei eine Stellvertreterrolle im Gerangel zwischen dem Westen und Russland. Einschätzungen dazu durch den Journalisten Boris Kálnoky. Die heimische Pflanzenwelt bei uns kommt unter Druck durch Neophyten, also exotische Pflanzen, die sich zum Teil aggressiv ausbreiten. Ob und worin hier eine Gefahr liegt für unser Ökosystem, erklärt Prof. Wolfram Kircher. Und Oliver Gorus will mit Hilfe künstlicher Intelligenz herausfinden, was der Allerweltsvorwurf „rechts“ eigentlich bedeutet.

    Interview 1

    Hans Mathias Kepplinger: Reform des ÖRR – die Sender müssen abspecken

    Interview 2

    Boris Kálnoky: EU-Frage und Präsidentenwahl – entscheidende Tage in Moldau

    Interview 3

    Wolfram Kircher: „Neuzuzüger-Pflanzen“ auf dem Vormarsch

    Kommentar

    Oliver Gorus: Was ist ein „Rechter“? – die KI erklärt

    Neulich sagte der Chef einer Behörde zu mir, ich sei rechts. Sogar „ganz weit rechts“. Ich war doppelt verblüfft. Zum einen sehe ich mich gar nicht als rechts, zum anderen steckte er mich mit solcher Abscheu in diese Schublade mit dem Etikett „rääächts”, als ob es etwas ganz und gar Unanständiges sei, rechts zu sein. Das Links-rechts-Schema ist natürlich überholt, das hört man heute ständig. Aber dennoch werden die Wörter immer noch verwendet, nur irgendwie anders als früher. Und weil da so viel Verwirrung herrscht, habe ich einfach mal Grok gefragt, die künstliche Intelligenz von X: Welche Eigenschaften und Positionen gelten heute denn als rechts? Grok schickte den üblichen Disclaimer vorneweg und hinterher, antwortete in der Mitte aber konkret in sieben Punkten:

    Rechte sind demnach erstens konservativ. Sie wünschen sich, die Gesellschaftsstrukturen zu bewahren und zu verteidigen, bezogen auch auf Moral, Familie oder Religion. – Nun, Freiheitliche wollen ganz sicher nicht irgendwie bestimmen, wie Menschen zu leben haben. Ich für meinen Teil lehne allerdings die ganzen dominanten und aggressiven Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte ab, und sehne mich nach einer „normaleren”, weniger „linken” und entspannteren Gesellschaft zurück. Ist das rechts? – Vielleicht. Rechte sind laut Grok zweitens pro Marktwirtschaft und bevorzugen freie Märkte mit minimalen staatlichen Eingriffen, oft verbunden mit einer Skepsis gegenüber umfassender staatlicher Regulierung und Umverteilung. – Na, da stimme ich doch zu! Aber wenn das rechts sein soll, warum finden sich dann etatistische, dirigistische Vorstellungen von Wirtschaft auch bei der als rechts geltenden AfD? Drittens sind Rechte Nationalisten. Sie identifizieren sich stark mit Land und Volk und sind für die nationale Einheit. – Diesen nationalen Patriotismus kann ich nicht für mich reklamieren, mir ist die Nation zu groß. Und eigentlich ist Deutschland ja ein Vielvölkerstaat, der aus vielen kleinen Ländern besteht, wie Baden, Hessen oder Sachsen, die vernünftigere Größen haben. Rechte wollen viertens einen starken Staat. – Hm. Das wollen Linke aber auch. Nur Freiheitliche eben nicht. Fünftens legen Rechte großen Wert auf Traditionen und Kultur, auf ein Bewusstsein für die eigene Geschichte, auf christliche Werte und abendländische Identität. – Da ist das Bewahrende, womit ich mich gut identifizieren kann, solange das Ganze noch freundlich und offen für fruchtbare Einflüsse von außen und für zukunftsorientierte Weiterentwicklung bleibt und nicht spießig wird. 

    Rechte befürworten laut Grok, sechstens, hierarchische Strukturen und Autorität, sei es durch Verdienst, Tradition oder natürliche Ordnung. – Hier würde ich lieber zwischen natürlicher und amtsgebundener Autorität unterscheiden, also zwischen auctoritas und potestas. Mit letzterer Autorität, die durch Pöstchen erworben und mit Amtsgewalt verteidigt und durchgesetzt wird, habe ich ein Problem, weil ich mich nur freiwillig unterordnen will und Zwang und Gewalt grundsätzlich ablehne. Siebtens sind Rechte Individualisten, sagt Grok. Sie betonen individuelle Freiheit, Selbstverantwortung und Privateigentum gegenüber kollektiven, staatlichen und gemeinschaftlichen Lösungen. – Wenn das rechts ist, sind alle Freiheitlichen in diesem Punkt rechts. Ich kann das aber nicht so recht glauben, weil ich Rechte häufig als besonders staatsgläubig und kollektivistisch erlebe. Der Vergleich freiheitlicher Positionen mit dem, was Grok als rechts bezeichnet, liefert also ein klares Jein: Libertäre können mit Rechten. Aber sie unterscheiden sich dennoch klar voneinander, wo nämlich Rechte den Libertären zu kollektivistisch, zu hierarchisch und zu staatsgläubig sind. Aus der Perspektive eines Linken sieht aber alles, was nicht links ist, einfach aus wie rechts. Libertäre als rechts zu verunglimpfen ist für Linke auch durchaus eine strategische Position, denn der natürliche Feind eines Kollektivisten ist der Individualist, der Feind eines Autoritären ist der Libertäre. Darum hassen Grüne die Freiheitlichen wie die Pest. Diese die Gesellschaft zerreißende Polarisierung wird erst aufhören, wenn sich ein dritter Pol ausbildet, der weder links noch rechts, sondern freiheitlich ist. Also nicht kollektivistisch-autoritär, sondern individualistisch-libertär.

    Dieses neue Gravitationszentrum muss zu Beginn, wenn es wächst, aushalten, von beiden autoritären Polen massiv angefeindet zu werden. Wenn es sich durchsetzt, kann es die Gesellschaft zu einer friedlichen, pluralistischen, bürgerlichen Renaissance der wirtschaftlichen und kulturellen Fruchtbarkeit führen, weil sich dann auch die opportunistische Mitte endlich nicht mehr von den Linksextremen am Nasenring durch die Manege ziehen lässt. Wenn es sich nicht durchsetzt, wird das Land von Extremisten zerstört werden und in Krieg, Knechtschaft, Armut und Zerfall versinken.