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    Dienstag, 30. September 2025, 5:05 Uhr
    Dienstag, 30. September 2025, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 30. September 2025

    Marcel Joppa im Gespräch mit Gerald Markel, Alex Baur und Robert Kopp – Kontrafunk-Kommentar: Philipp Gut

    Deutschlands Kanzler Merz will eingefrorenes russisches Zentralbankgeld an die Ukraine leiten. Das hätte katastrophale Auswirkungen für uns alle, sagt der Unternehmer und Politikbeobachter Gerald Markel. Die USA haben Kriegsschiffe vor der Küste Venezuelas positioniert und kündigen einen Einsatz gegen Drogenkartelle an. Über die eskalierte Lage berichtet der Südamerika-Korrespondent Alex Baur. Frankreichs ehemaliger Präsident Nicolas Sarkozy muss fünf Jahre in Haft. Was ihn dort erwartet und ob es überhaupt so weit kommt, erklärt der emeritierte Professor für französische Literatur an der Universität Basel und Frankreich-Experte Robert Kopp. Abschließend blickt Philipp Gut in seinem Kommentar auf die Schweiz und die Debatte über die Zuwanderungspolitik. 

    Interview 1

    Gerald Markel: Merz will ökonomische Atombombe zünden

    Interview 2

    Alex Baur: USA bereiten Militäreinsatz in Venezuela vor

    Interview 3

    Robert Kopp: Was erwartet Nicolas Sarkozy hinter Gittern?

    Kommentar

    Philipp Gut: Schweizer Politik streitet über Zuwanderung

    In der Schweiz wird wieder einmal heftig über Zuwanderung debattiert. Im Nationalrat, der großen Parlamentskammer, meldeten sich 115 Redner zur Nachhaltigkeitsinitiative der SVP – ein Rekord. Das Niveau der Debatte war dann allerdings weniger hoch. Sie zeigte: Die Mehrheit der Parteien hat den Bezug zur Realität verloren. Sie verschließt die Augen vor den Sorgen und Nöten der Bevölkerung. Sozialdemokraten, Grüne, Grünliberale und FDP lehnen die Initiative rundweg ab. Nur die Mitte wollte einen sogenannten Gegenvorschlag, der allerdings kaum griffig wäre. Fakt ist: Die Schweiz leidet unter der unkontrollierten Massenzuwanderung. Die Bevölkerung wuchs seit dem Jahr 2000 um 25 Prozent, vor allem durch den Zustrom aus der EU. Damit wächst die Eidgenossenschaft sechzehnmal schneller als Deutschland, immerhin ja auch ein Einwanderungsland. Die Folgen erlebt jeder im Alltag: verstopfte Straßen, überfüllte Züge, kaum mehr bezahlbare Wohnungen, überbaute Landschaften, überlastete Sozialwerke. Auch wirtschaftlich geht die Rechnung nicht auf: Das Pro-Kopf-Einkommen sinkt. Doch die Parteien – mit Ausnahme der SVP – stellen sich blind, auch und gerade in ihren Paradedisziplinen. So beklagt die SP die steigenden Wohnungs- und Mietpreise und behauptet gegen jede ökonomische Logik, die Zuwanderung habe damit nichts zu tun. Als ob es die Preise nicht in die Höhe treiben würde, wenn sich derart viele Bewerber um eine einzige Wohnung bemühen und jährlich eine ganze Stadt Winterthur in die Schweiz einwandert. 

    Geradezu bitter ironisch ist, dass sich die Wachstumskritiker und selbsternannten Umweltschützer der Grünen um eine Begrenzung der Zuwanderung foutieren. Zubetonierung der Schweiz? Zersiedelung der Landschaft? Zunahme des Verkehrs? Steigerung von Energieverbrauch und CO₂-Ausstoß? Ist den Grünen völlig egal, wenn Ausländer die Treiber sind. Die umweltrelevanten Faktoren der Massenzuwanderung sind belegt und enorm – aber die Grünen kümmert’s nicht. Dasselbe Wegschauen und Schönreden auch in den Medien. „Es kommen viele, aber die Richtigen“ titelt die NZZ und behauptet, die Vorteile der Zuwanderung würden überwiegen. Der Zeitpunkt für das Hohelied der unkontrollierten Massenzuwanderung war allerdings denkbar schlecht gewählt. Gleichzeitig berichtete der „Tages-Anzeiger“, „Zehntausende Frauen kommen per Familiennachzug in die Schweiz – und bleiben ohne Arbeit“. Zuwanderung in die Sozialwerke ist nicht das, was wir brauchen. Nein, liebe Kollegen von der NZZ, es kommen nicht nur viele, es kommen zu viele. Und es kommen nicht die Richtigen, es kommen die Falschen. Man kann nicht, wie es die NZZ und auch der Bundesrat, also die Schweizer Regierung, tut, das Hohelied der Arbeitsmigration und der Fachkräfte singen und ausblenden, dass ein Großteil der Zuwanderer unproduktiv bleibt und den arbeitenden Teil der Bevölkerung belastet. 

    Man staunt schließlich auch über das Demokratie- und Rechtsstaatsverständnis gewisser Volksvertreter. So sagte SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer, die von der SVP geforderte Steuerung der Zuwanderung mittels Kontingenten erinnere an dunkle Zeiten. Wie bitte? Diese haltlose Polemik unterschlägt, dass das Volk 2014 die Masseneinwanderungsinitiative der SVP angenommen hat, die genau dies festschreibt. Es steht so in der Bundesverfassung. Der berühmte Artikel 121a lautet: „Die Schweiz steuert die Zuwanderung von Ausländerinnen und Ausländern eigenständig. Die Zahl der Bewilligungen für den Aufenthalt von Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz wird durch jährliche Höchstzahlen und Kontingente begrenzt.“ Politiker wie Meyer und Konsorten weigern sich jedoch bis heute, diesen Verfassungsartikel umzusetzen. Die Pointe der ganzen Geschichte: Ohne solche Volks-, Verfassungs- und Wählerverächter im Bundeshaus bräuchte es die Nachhaltigkeitsinitiative gar nicht. Deshalb muss es nun erneut die Bevölkerung richten. Die Wette sei gewagt, dass sie die Lage realistischer und kritischer einschätzt als die abgehobene Politelite in ihrer realitätsfremden Berner Blase.