Kontrafunk aktuell vom 4. Februar 2025
In Belgien steht acht Monate nach der Wahl die neue Regierung fest. Erstmals wird das Land von der rechtsnationalistischen Partei N-VA angeführt. Der belgische Historiker und Publizist David Engels schildert, welche Entwicklung zu erwarten ist. Wie die Bevölkerung von Aschaffenburg die Instrumentalisierung des Messerattentats im Wahlkampf wahrgenommen hat und wie man vor Ort die politischen Probleme sieht, berichtet der Schriftsteller Thilo Schneider. Im Kommentar widmet sich Alexander Meschnig dem „Tabuthema“ Migrantengewalt und warum die Straftäter oft als psychisch auffällig gelten. Und der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Werner Müller erklärt die Auswirkungen der Grundgesetzänderung „zum Schutz des Bundesverfassungsgerichts“ auf die Gewaltenteilung in Deutschland.
David Engels: Regierungsbildung in Belgien
Thilo Schneider: Vor Ort in Aschaffenburg
Werner Müller: Grundgesetzänderung „zum Schutz des Bundesverfassungsgerichts“ und die Gewaltenteilung
Alexander Meschnig: Psyche und Gewalt
Die Debatte über den Zusammenhang zwischen der Masseneinwanderung hauptsächlich junger muslimischer Männer und steigender Gewalt ist in Deutschland nach wie vor tabuisiert und von einer geradezu hysterischen Angst gekennzeichnet, „Vorurteile“ zu schüren. Nach den neuerlichen Morden durch einen wie üblich bereits polizeibekannten Asylbewerber in Aschaffenburg ist es zumindest wieder ein Stück weit schwieriger geworden, kritische Fragen in die rassistische Ecke zu verbannen. Dass wir es bei den gehäuften Gewalttaten mit einem psychologischen Problem zu tun haben, wird gerne behauptet, und in der Tat ist es auffällig, wie schnell jeweils die Diagnose eines „psychisch kranken Täters“ verbreitet wird. Kurz nach Aschaffenburg brachte die „Süddeutsche Zeitung“ ein Interview mit einem Psychiater, der sich zur These verstieg, „der großen Mehrheit der Geflüchteten kann geholfen werden“. Seiner Ansicht nach ist etwa ein Drittel der Flüchtlinge behandlungsbedürftig, in absoluten Zahlen also etwa eine Million. Man ist angesichts der Weltfremdheit solcher Leute immer wieder erstaunt. Allein die dafür erforderlichen Ressourcen (ausgebildete Therapeuten, Kosten für die Krankenkassen) sind niemals aufzubringen. Erinnert sei auch an die bereits jetzt langen Wartezeiten für Normalbürger auf therapeutische Hilfe. Aber der interviewte Experte der „Süddeutschen“ verkennt auch vollkommen, neben dem Sprachproblem, die kulturellen Unterschiede, die ansonsten ja so gerne angerufen werden. Während in der westlichen Welt eine Vielzahl von Therapiekonzepten auf das Innenleben der Individuen zielen und darauf, dass wir es selbst sind, die unser Leben durch Reflexion und Einsicht verändern können, sind solche Sichtweisen in der muslimischen Kultur praktisch nicht vorhanden. Selbstkritik ist ein westliches Modell. In der arabisch-islamischen Welt sind klare Hierarchien, überlieferte familiäre Traditionen und religiöse Regeln dominant und dürfen im Prinzip nicht in Frage gestellt werden.
Was der englische Publizist David Pryce-Jones in seinem Buch „The Closed Circle: An Interpretation of the Arabs“ auf der gesellschaftlichen Ebene als eine verhängnisvolle Tendenz islamischer Länder zu Verschwörungstheorien und der Verlagerung der Schuld auf andere beschreibt, gilt auch für individuelle psychische Dramen und Konflikte. In der Regel wird das Problem des Versagens nicht in der Erziehung oder dem eigenen Verhalten gesehen, sondern nach Gründen außerhalb seiner selbst gesucht. Psychologisch besteht das Hauptproblem zwischen gefühlter Überlegenheit und tatsächlicher Schwäche darin, dass die religiös begründete Suprematie der islamischen Welt in der Realität ständig mit dem eigenen Versagen und der eigenen Unterlegenheit kollidiert. Eine therapeutische Arbeit, bei der wichtige Themen ausgeklammert bleiben müssen, etwa Sexualität, Familie, Religion, und in der es in unserem Sinne kein autonomes Individuum gibt, stößt an ihre kulturell bedingten Grenzen. Einer der zentralen Punkte ist dabei das Verhältnis zu Wut und Aggression. Wird im Westen Wut allgemein als ein Zeichen der Schwäche, des Fehlens von Kontrolle und einer individuellen Unbeherrschtheit betrachtet, wird Aggression von der muslimischen Community akzeptiert und oft auch als erwartetes Verhalten von Männern in Konflikten angesehen. Nicht zu reagieren, wird als Zeichen von Schwäche interpretiert, als Verlust der Fähigkeit, seine eigene Ehre und die seiner Familie oder Gruppe zu verteidigen. Das dahinter liegende Bild des starken und potenten Mannes scheint mit ein Grund für die gehäufte Gewalttätigkeit von Migranten mit muslimischem Sozialisationshintergrund zu sein. Wie sehr die tägliche Realität auch von den Haltungsmedien und der sogenannten demokratischen Mitte ausgeblendet wird und sich die Proteste ein weiteres Mal auf den gratismutigen Kampf „gegen rechts“ fokussieren, auf Dauer wird man nicht um die Tatsache herumkommen, dass gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen in bestimmten Einwanderermilieus weit verbreitet sind.
Kollektivistische Gemeinschaften, die um Familie, Sippe und Clans zentriert sind, haben, das zeigen alle historischen Analysen, immer ein höheres Gewaltpotenzial als individualistische Gesellschaften. Es braucht keine detaillierte soziologische Expertise, um zum Schluss zu kommen, dass Migranten aus tribalen, zutiefst verrohten und korrupten Staaten wie Afghanistan, Syrien, Marokko, Algerien oder dem Irak eine Gefahr für unsere Gesellschaft sind, insbesondere da sie auf eine Justiz und eine Polizei treffen, die auf diese Formen von Gewalt nicht vorbereitet sind. Nimmt man die enttäuschten Erwartungen hinzu, das Ausharren in Massenunterkünften, das Fehlen einer Leistungs- und Arbeitskultur, Voraussetzungen, um in der westlich-säkularen Gesellschaft zu reüssieren, Sprachbarrieren und religiöse Dogmen, so liegt es nahe, dass in deutschen und westeuropäischen Städten in Zukunft gewalttätige Formen der „Konfliktlösung“ immer öfter der Fall sein werden. Ob wir es wollen oder nicht, unsere Gesellschaft und wir selbst werden von dieser Form der Massenzuwanderung seit Jahren umgestaltet. Das wird deutlich im sich wandelnden Parteienspektrum, in privaten Verwerfungen, gesellschaftlichen Polarisierungen, im Meiden von öffentlichen Räumen, in der Zunahme von Waffenscheinen und Sicherheitstechnik, der steigenden Angst um die eigenen Kinder. Anders als für die Grüne Katrin Göring-Eckardt, „Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich drauf!", hält sich die Vorfreude auf die kommenden Änderungen für die meisten der hier Lebenden wohl in Grenzen.
