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    Montag, 9. Juni 2025, 5:05 Uhr
    Montag, 9. Juni 2025, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 9. Juni 2025

    Gernot Danowski im Gespräch mit Claus Becker, Thomas A. Seidel und Ramon Schack – Kontrafunk-Kommentar: Cora Stephan

    Großbritannien will seine nuklear betriebene U-Boot-Flotte ausbauen. Was will man auf der Insel damit erreichen? Und was für eine Rolle spielen die Briten gerade im Ukraine-Krieg? Dies erörtern wir dem Journalisten Ramon Schack. Pfarrer im Ruhestand Thomas A. Seidel teilt seine Gedanken zum Pfingstfest, zur Rolle und Lage der Kirchen und zur Corona-Aufarbeitung. Bei Bäckereien und Imbissketten hat die Verpackungssteuer auf kommunaler Ebene Ängste ausgelöst. Jede Kommune darf unter bestimmten Umständen bis zu 1,50 Euro Gebühr vom Kunden verlangen. Über bürokratische Auswüchse und Probleme in der Umsetzung sprechen wir mit Claus Becker, Obermeister der Bäckerinnung Pfalz-Rheinhessen. Und im Kommentar erfahren Sie von Cora Stephan alles über die Gartenpflege.

    Interview 1

    Ramon Schack: UK rüstet nuklear-betriebene U-Boot-Flotte auf

    Interview 2

    Pfarrer i.R. Thomas A. Seidel: Gedanken zum Pfingstfest

    Interview 3

    Claus Becker: Probleme mit der Verpackungsteuer

    Kommentar

    Cora Stephan: Gartenpflege

    „Il faut cultiver son jardin.“ Man muss seinen Garten bestellen. Mit diesem Seufzer endet Voltaires Roman „Candide oder der Optimismus“. Denn was immer den armen Candide ereilt hat – das Erdbeben von Lissabon, die Galeerenstrafe, Krankheit und Schiffbruch –, am Ende kommt es nur darauf an: auf den Garten. Er entschädigt für alles Elend der Welt, spendet Trost, macht glücklich. Wer einen hat, weiß, wovon die Rede ist. Hacken, schneiden, graben, rechen: Das spricht alle Sinne an. Schon das Werkzeug stimmt auf Kraft zum Widerstand ein. Löwenzahn und Giersch abstechen eignet sich als Aggressionsabfuhr, verblühte Rosen abschneiden zur Meditation über das Vergängliche. Und so überwindet man muskelstählend allen Ärger, Ärger über das dämliche Agieren unserer Politiker, vergisst Lug und Betrug, etwa das illegale Einschleusen von Afghanen durch Annalena Baerbock, einst aus unerfindlichen Gründen deutsche Außenministerin, oder die Eroberung des öffentlichen Raums durch Islamisten und Messerstecher, die keiner unserer Politiker ernsthaft beenden will. Verdrängt den Verrat von Kanzler und Außenminister an Israel, das unappetitliche Agieren staatlich gehätschelter Antifa, sämtliche Krisenherde der Welt. Und man vergisst die gestiegenen Lebensmittelpreise, auch dagegen ist ein Garten gut, obwohl uns der Welthandel auch im Winter Himbeeren beschert. Wogegen ja nichts spricht, außer, dass es die Vorfreude mindert. 

    Das Ästhetische allein ist nicht der Grund, warum man einen Garten haben sollte. Das Farbenspiel plus Duftorgie betrachtet am Feierabend, wer ein echter Spießer sein will, kontemplativ auf der Holzbank sitzend. Doch was wäre ein Garten ohne Nutzen? Auch der hat seine Schönheiten. Himbeeren und Johannisbeeren am Hochstamm, das braucht weniger Fläche und schont bei der Ernte den Rücken. Ein krüppliger Apfelbaum, der mehr Früchte trägt, als gut für ihn ist. Das alles wächst ohne großes Zutun. Solche Früchte reifen im Sommer oder im Herbst. Doch alles andere beginnt weit früher. Raffiniertere Menschen als unsereins haben Tomaten und Gurken bereits seit März auf dem Fensterbrett aus Saatgut vorgezogen – die Sparsamen nutzen dafür leere Eierkartons. Nur die ganz Begnadeten haben einen Garten, der groß genug für ein Gewächshaus ist. Ob es hilft, den Sämlingen etwas vorzusingen oder den Merseburger Zauberspruch zu skandieren, der als Lösezauber der Fesseln eines Gefangenen gilt? Keine Ahnung, es käme auf einen Versuch an. Irgendwann, wenn kein Frost mehr droht, müssen die Sämlinge in die Gartenerde. Jetzt geht der Zauber richtig los.

    Glücksgefühle beim Sieben der Erde aus dem Komposter, der den ganzen Winter über gefüttert wurde mit Küchenabfällen? Na klar. Das ist Recycling in seiner fruchtbarsten Form. Glücksgefühle beim Niederknien, mit den Händen in warmer Erde, ohne Handschuhe? Oh ja. Sonst hat man ja nichts davon außer sauberen Händen. Die Bauerngurken kommen ans Spalier, sie klettern gern. Die Tomaten müssen in Töpfe unters Glasdach, sie mögen Nässe von oben nicht. Kletter- und Buschbohnen, Kohlrabi und Salat, Paprika und Auberginen – was immer die Größe des Gartens erlaubt. Ganz nebenbei: Wer keinen Rasen hat, muss ihn auch nicht mähen. Und jetzt die unausweichliche Frage: Wer hat denn überhaupt einen Garten oder wenigstens einen Schrebergarten? In deutschen Städten ist man schon froh, wenn man über einen Parkplatz für sein Auto verfügt. Und überhaupt: In Deutschland wohnen gerade mal um die 43 Prozent in Häusern oder Wohnungen, die ihnen gehören. Im EU-Durchschnitt sind es 69 Prozent, mehr noch in Spanien, Italien und Portugal. Einem Garten abträglich sind etwa in Berlin auch die Grundsteuern, weshalb die meisten alten Villen ihren parkähnlichen Garten für eine weitere Bebauung verkauft haben. Das gönnt ihnen der Neid. Überhaupt: Der grünen Ideologie zufolge verbrauchen Einfamilienhäuser zu viel Fläche und sind klimaschädlich. „Wir brauchen Bauscham“, verkündet eine Streitschrift. Und den Bürgern frommt auch ein Hochhaus. Womöglich kann man selbst mit einem Balkon glücklich sein. Und im Übrigen haben wir ja den Welthandel … Nur: Was tun mit dem ganzen täglichen Ärger? Dafür reicht ein Balkon nicht aus. Es ist schon so: „Il faut cultiver son jardin.“ Ein paar Quadratmeter Glück.