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    Dienstag, 9. Juli 2024, 5:05 Uhr
    Dienstag, 9. Juli 2024, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 9. Juli 2024

    Marcel Joppa im Gespräch mit Irfan Peci, Gerald Markel und Roger Köppel – Kontrafunk-Kommentar: Collin McMahon

    Die diplomatischen Reisen des ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán in den zurückliegenden Tagen haben für Aufsehen gesorgt. Roger Köppel, Verleger und Chefredakteur der „Weltwoche“, hat Orbán als einziger Journalist aus dem deutschsprachigen Raum nach Kiew, Moskau und Aserbaidschan begleitet und berichtet von seinen Eindrücken. Mit dem Unternehmer und Publizisten Gerald Markel sprechen wir über die zunehmende Macht der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit. Welche Bedeutung und Hintergründe der türkische „Wolfsgruß“ hat, erläutert Irfan Pezi, der sich gegen die Radikalisierung junger Muslime in Deutschland engagiert. Und Collin McMahon kommentiert das traurige Bild, das der amtierende US-Präsident Joe Biden derzeit abgibt.

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    Schloss Hauptwil

    Interview 1

    Mit Orbán in Kiew und Moskau

    Interview 2

    Schanghai-Organisation für Zusammenarbeit

    Interview 3

    Wolfsgruß

    Kommentar

    After Biden

    Seit Joe Bidens katastrophalem Auftritt bei der Präsidentschaftsdebatte mit Donald Trump am 27. Juni überschlagen sich die Medien mit schockierten Meldungen über die fortschreitende Altersdemenz des US-Präsidenten. Das ist natürlich ungefähr so glaubwürdig, wie die schockierte Feststellung, dass der Kaiser all diese Jahre doch nackt gewesen sei. Entrüstet zeigen sich all jene Systemmedien, die noch vor einem Monat ganze Modehefte über des Kaisers neue Kleider fabriziert haben. Nun stellen sie ganz erstaunt fest, dass der alte Knabe die ganze Zeit blank gezogen hat. Seit Joe Bidens Amtsantritt war es für jeden seriösen Beobachter offensichtlich, dass der alte Joe nicht mehr alle Latten am Gartenzaun hat. Bei seinem Truppenbesuch in Polen 2022 versprach er den versammelten Elitesoldaten, dass sie bald in die Ukraine einmarschieren würden, und dass die USA Chemiewaffen einsetzen würden, wenn Putin dies auch täte.

    Noch letzten Monat erzählte Joe Biden auf einer Pressekonferenz, sein Onkel sei im Pazifik von Kannibalen gefressen worden. Beim Papstbesuch schnupperte er dem verdutzten Heiligen Vater am Kopf, was zu einer entsetzten Reaktion des argentinischen Präsidenten Javier Milei führte. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, behauptete noch letzten Monat, entsprechende Videos von Joe Bidens Totalausfällen im Netz seien „Cheap Fakes“, billige Fälschungen, und MSNBC-Moderator Joe Scarborough wurde im Frühstücksfernsehen ausfällig, als er prahlte, dies sei „der beste Biden aller Zeiten“ – und wenn du das nicht glaubst, „F… You!“ Nun haben die Medien scheinbar das Zeichen bekommen, dass Joe Biden zum Abschuss freigegeben ist. Plötzlich überschlagen sich die Leaks aus dem Weißen Haus, das unter Joe Biden bisher auf die Presse als treue Verbündete zählen konnte. Nun erfahren wir, dass „Sleepy Joe“ nur von 11 Uhr morgens bis etwa 16 Uhr überhaupt geschäftsfähig ist.

    Die Leaks kommen jetzt tsunamiartig wie damals unter Donald Trump. Negative Geschichten über den Präsidenten werden brühwarm an die Presse durchgestochen, die diese bereitwillig übernimmt. Bisher wollte das Washingtoner Pressekorps nicht einmal so genau wissen, wer jetzt eigentlich die Nord-Stream-Pipeline in die Luft gesprengt hat. Jetzt veröffentlicht die Zeitung des Washingtoner Establishments, die „Washington Post“, eine fiktive „Rücktrittsrede“ für Joe Biden, die sie ihm hoffnungsvoll in den Mund legt. Dies alles führt dem amerikanischen Wähler nur vor Augen, wie sehr der Medien- und Staatsapparat der Washingtoner Elite im Hintergrund die Fäden zieht. Nun rächt sich die Entscheidung, keine ordentlichen Primaries abzuhalten, bei denen Systemsprenger wie Bernie Sanders oder Robert F. Kennedy Jr. gegen Joe Biden angetreten wären. 

    Nun rächt sich auch die Entscheidung, den Posten der Vizepräsidentin nach Kriterien der „Vielfalt, Teilhabe und Inklusion“ zu vergeben, und unbedingt eine schwarze Frau besetzen zu wollen – ausgerechnet eine, die sich durch ihre Affäre mit dem verheirateten Bürgermeister von San Francisco, Willie Brown, hochgeschlafen hat und heute die einzige mögliche Kandidatin ist, die noch unbeliebter ist als Joe Biden. Laut einer Umfrage der „Daily Mail“ liegt Joe Biden bei 42 Prozent zu 47 Prozent für Trump – Kamala Harris jedoch bei katastrophalen 38 Prozent zu 49 Prozent für Trump. Laut einer Umfrage von Remington Research liegt Donald Trump jetzt in allen wichtigen Swing States vor Joe Biden – in Michigan um 3 Prozent, in Pennsylvania um 5 Prozent, in Wisconsin um 6 Prozent, in Arizona und Nevada um 7 Prozent, in Ohio und Texas um 10 Prozent und in Montana um 20 Prozent. Es scheint, dass viele Amerikaner doch lieber den Elefanten im Porzellanladen wählen wollen als die Leiche im Keller. Scherben bringen Glück, sagt man ja.

    Die Strategie der Demokraten, Trump mit fadenscheinigen Gerichtsprozessen im Wahljahr lahmzulegen, ist nach hinten losgegangen. Sie führte den Bürgern nur die völlige Instrumentalisierung des Staatsapparates gegen den politischen Gegner unter der Biden-Regierung vor Augen. Und nun fragt man sich offen, wer die USA eigentlich regiert, wenn es ganz offensichtlich nicht Joe Biden ist. Ist es Jill Biden, Kamala Harris, Michelle und Barack Obama oder Alexander Soros? Die Medien, der Geheimdienstapparat oder der militärisch-industrielle Komplex? Diese Fragen waren vor einem Monat noch wilde Verschwörungstheorien. Jetzt scheint es so, dass sie die Historiker noch in fünfzig Jahren beschäftigen werden. Es ist wie bei Julius Cäsar: In den Iden des Joe Biden werden die Messer gewetzt. Fragt sich nur noch, wer sein Brutus sein wird.