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    Dienstag, 1. April 2025, 5:05 Uhr
    Dienstag, 1. April 2025, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 1. April 2025

    Marcel Joppa im Gespräch mit Matthias Nikolaidis, Alexander King und Andreas Schulte – Kontrafunk-Kommentar: Roger Letsch

    In dieser Ausgabe sprechen wir mit dem Autor und Journalisten Matthias Nikolaidis über die Verurteilung der französischen Politikerin Marine Le Pen und die Hintergründe. Was steckt hinter den militärischen Plänen der EU-Kommission mit dem Namen „Bereitschaft 2030“? Die Informationen hat der BSW-Landesvorsitzende von Berlin, Dr. Alexander King. Die „Klimaneutralität 2045“ ist seit wenigen Wochen Teil des deutschen Grundgesetzes. Welche weitreichenden Konsequenzen das für alle Bürger haben wird, erklärt Dr. Andreas Schulte, emeritierter Professor für Waldökologie, Forst- und Holzwirtschaft an der Universität Münster. Und Roger Letsch befasst sich in seinem Kommentar mit der Doppelmoral deutscher Medien beim Thema Raumfahrt und Technik.
     

    Interview 1

    Matthias Nikolaidis: Die Verurteilung der französischen Politikerin Marine Le Pen und die Hintergründe

    Interview 2

    Alexander King: „Bereitschaft 2030“ und die militärischen Pläne der EU-Kommission

    Interview 3

    Andreas Schulte: Welche weitreichenden Konsequenzen „Klimaneutralität 2045“ für alle Bürger hat

    Kommentar

    Roger Letsch: Doppelmoral deutscher Medien beim Thema Raumfahrt

    Etwa 500 Meter hoch stieg die Rakete. Doch der hin und her gehende Vektor des Abgasstrahls verriet schon nach wenigen Sekunden, dass etwas nicht stimmte. Die Bodenkontrolle schaltete die neun Triebwerke aus, und die etwa 30 Meter lange Spectrum-Rakete des deutschen Start-ups Isar Aerospace schlug nur wenige Hundert Meter vom norwegischen Startplatz entfernt mit einer großen Explosion aus Propan und flüssigem Sauerstoff in die Nordsee. Ob Steuerungsprobleme oder vielleicht ein Softwarefehler die Ursache waren, ist so ungewiss wie unerheblich, denn es handelte sich um den ersten Start eines noch experimentellen Trägersystems, und buchstäblich niemand rechnete damit, dass alles glattgehen würde. Die Reaktionen der deutschen Presse sind mit „verkniffen optimistisch“ wohl gut beschrieben, denn die Meldung lautete, die Spectrum-Rakete sei „nach erfolgreichem Start abgestürzt“. Wie anders klingt das doch, wenn mal wieder ein Kommentar zum Raumfahrtprogramm von SpaceX abzugeben ist: „Starship-Testflug endet in Explosion“ oder „Rückschlag für Musk“.

    Dabei arbeiten sowohl SpaceX als auch Isar Aerospace nach demselben Prinzip des „Rapid Prototyping“. Probieren, Fehler machen, aus Fehlern lernen, schnell erneut fliegen. Dass manche Fehler in spektakulären Explosionen enden, gehört ebenso dazu wie die Tatsache, dass das Ganze vor weltweitem Publikum stattfindet. Es sind erfolgreiche Tests mit dem Ziel, im Experiment zu lernen. Doch die deutsche Presse misstraut allem, was sich nicht gesetzmäßig – und am besten entlang von Gesetzen – entwickelt. So wie die ESA, die im Sommer 2024 mit dem ersten Testflug der Ariane 6 kaum erfolgreicher war als die Studententruppe aus München mit ihrer Spectrum. Mit dem Unterschied, dass die Ariane 6 bereits überholt und überflüssig ist, bevor sie überhaupt einsatzbereit sein kann, während sich die wenigen freien europäischen Raumfahrtunternehmen wie Isar Aerospace von vornherein auf die kommerzielle Anwendung ihrer Trägersysteme konzentrieren. Nämlich kleine Nutzlasten bis 1000 Kilogramm möglichst günstig und kurzfristig auf eine erdnahe Umlaufbahn zu bringen. Nur dort, bei den sogenannten Micro Launch Systems, ist derzeit noch Platz angesichts der durch die Wiederverwendbarkeit der SpaceX-Systeme stark gesunkenen Kosten. 

    Der von mir beschriebene „verkniffene Optimismus“ der Medien speist sich leider nicht aus den ökonomischen Perspektiven von Firmen wie Isar Aerospace, sondern aus der Tatsache, dass man sie gern zur „Alternative zu SpaceX“ aufblasen möchte, was sie de facto nicht sind. Denn das Eingeständnis, Musk könne mit seinem Raumfahrtunternehmen irgendetwas richtig gemacht haben, schmerzt zu sehr. Hochgesteckte Ziele, unternehmerisches Risiko, ein Team der besten Ingenieure, Nerds und Wissenschaftler zu organisieren und dabei die Kosten nicht aus den Augen zu verlieren – das klingt toll, solange Musk nur die vom Staatsdirigismus überwölbte Raumfahrt optimierte. Doch dann rückte er mit denselben Methoden Twitter und zuletzt mit Doge dem Staat selbst zu Leibe und wurde dafür der moralischen Ächtung durch den instrumentalisierten Pöbel preisgegeben. 

    Und so werden wir am 1. April Zeugen eines Schauspiels, dessen drei Akte zeitgleich aufgeführt werden. Tesla-Autos werden auf deutschen Straßen angezündet, von der eigenen Empörung emotional überwältigte öffentlich-rechtliche Sendeformate verlassen Elons Plattform X, und die erste deutsche Frau, Rabea Rogge aus Berlin wird – eine Gedenkmedaille von Otto Liliental im Gepäck – zu einer mehrtägigen Mission ins Weltall aufbrechen. In einer Dragon-Kapsel von SpaceX. Bleibt nur, Rabea Rogge einen guten Flug und den Tüftlern von Isar Aerospace viel Erfolg bei der Entwicklung ihres Trägersystems zu wünschen. Und wer weiß, ob sich SpaceX und Isar Aerospace nicht eines Tages ergänzen werden. Es muss nämlich nicht immer die größte Nutzlast entscheidend sein. In einer Wette, wem es zuerst gelingt, eine Pizza noch warm zur ISS zu liefern, würde ich eher auf die kleine Firma aus München setzen.