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    Donnerstag, 10. Juli 2025, 5:05 Uhr
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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 10. Juli 2025

    Benjamin Gollme im Gespräch mit Frank Wahlig, Mary Khan und Aleksandra Rybinska – Kontrafunk-Kommentar: Cora Stephan

    Deutschland hat auch im Juli 2025 noch keinen vom Bundestag verabschiedeten Haushalt. In der Haushaltsdebatte ging es nicht nur ums Geld, sie war auch eine Generalabrechnung mit der Regierung Merz. Was dort zur Sprache kam, erläutert Hauptstadtkorrespondent Frank Wahlig. Im Gespräch mit der EU-Abgeordneten Mary Kahn von der AfD geht es um den Misstrauensantrag gegen Ursula von der Leyen. Zudem blicken wir auf die dänische Ratspräsidentschaft sowie den Migrationskurs der EU. Die polnische Journalistin Aleksandra Rybinska berichtet über die Kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze, und Cora Stephan kommentiert die Nominierung von Frauke Brosius-Gersdorf als Kandidatin für das Richteramt am Bundesverfassungsgericht.

    Interview 1

    Frank Wahlig: Haushaltsdebatte im Deutschen Bundestag

    Interview 2

    Aleksandra Rybinska: Neues Grenzregime in Polen

    Interview 3

    Mary Khan: Aktuelles aus der EU

    Kommentar

    Cora Stephan: „Mein Bauch gehört mir“

    Mir ist die Frau, die nun Verfassungsrichterin werden soll, zutiefst suspekt. Ist Frauke Brosius-Gersdorf wirklich unparteiisch? Das darf man bezweifeln, wenn man gesehen hat, mit welchem Gesichtsausdruck sie bei Markus Lanz ein Verbot der AfD gefordert hat. Zurückhaltend ist sie wirklich nicht, wie es sich für einen Verfassungsrichter eigentlich gehört. Und vor allem scheint sie nicht gerade von menschenfreundlicher Güte beseelt. Mit einen Verbot der AfD sei leider, sagte sie, nicht „die Anhängerschaft beseitigt“, die sie offenbar für die falsche Wahlentscheidung bestraft sehen möchte. Ähnlich eliminatorisch ist ihr Verhältnis zur Abtreibung. Erst mit der Geburt gelte die Menschenwürde, argumentiert sie, vorher nicht. Der Embryo als frei verfügbare Masse. Das dürften die meisten Frauen durchaus anderes erlebt haben während ihrer Schwangerschaft. Ebenso wie es den sogenannten Leihmüttern nicht leichtfallen dürfte, das Kind, das neun Monate in ihnen gewachsen ist, direkt nach der Geburt wegzugeben. Es gibt viele Gründe, warum Frauen abtreiben wollen, auch entsetzliche, etwa eine Vergewaltigung, deshalb sollten sie dafür nicht bestraft werden, und Gott sei Dank landen sie nicht mehr wie einst wegen Kindesmord auf dem Scheiterhaufen. 

    Doch ist es wirklich eine Zumutung, sich, wie es jetzt gilt, noch vor der zwölften Schwangerschaftswoche für oder gegen das Kind zu entscheiden? Ist ein Beratungsgespräch ganz furchtbar schlimm, gar eine „Kriminalisierung“ der Frau? Irgendetwas stimmt an diesen Parolen nicht. Sie verkennen allesamt, dass die Entscheidung für oder gegen ein Kind wahrscheinlich nur wenigen Frauen so leichtfällt, wie es der Slogan „Mein Bauch gehört mir“ und die Rede vom bloßen Zellhaufen locker-flockig verspricht. In England dürfen Frauen bis zum Einsetzen der Wehen mittlerweile abtreiben, straffrei. Ich mag mir das nicht vorstellen. Ein lebensfähiges Kind. Welche Frau hält das aus? Ich vermute mal: keine. Oder nur eine mit einem zutiefst gestörten Gefühlshaushalt. Es ist nicht locker und leicht, auch nicht mit jenen Abtreibungspillen, die in England vom Nationalen Gesundheitsdienst verschickt werden, damit die Frauen dafürkeinen Arzt aufsuchen müssen. Fruchtbarkeit soll offenbar etwas sein, das man einfach an- und abschaltenkann. Vielleicht kommt das manch Trans-Lobbyisten entgegen, die es stört, dass nur Frauen fruchtbar sind, weil das Transfrauen ja ausschließe. Aus dieser Richtung kam übrigens einst die einigermaßen lachhafte Forderung, das Wort „Mutter“ aus dem Sprachgebrauch zu streichen. 

    Abtreibungspillen als Zeichen weiblicher Autonomie? Auch das ist schwer nachzuvollziehen. Ist es ein Fortschritt, autonom und allein womöglich zu verbluten? Im Übrigen sind Abtreibungspillen eine prima Sache für Männer, die die Folgen ausgebliebener Verhütung beim Sex nicht tragen wollen. So eine Pille in den Tee, und schon ist die Sache gelaufen. Gut, so viel Bosheit traut man gewiss nur einer Minderheit zu, aber dass Männer auf Abtreibung drängen, ist nicht gerade unbekannt. Fällt der Paragraf 218, ist Frau allein verantwortlich für den Bauch, der ja ihr gehört, und für das, was darin heranwächst. Da muss dann auch kein Unterhalt mehr gezahlt werden. Der Samenspender ist raus aus dem Spiel. Freiheit nicht für die Frauen, Freiheit für die Männer. Doch der Samenspender ist im Übrigen auch dann aus dem Spiel, wenn er, ganz im Gegenteil, strikt gegen eine Abtreibung ist. Der Bauch gehört ja ihr. Irgendetwas ist schief bei dieser Debatte. Der Konflikt ist existenziell, worüber Sprüche wie „Mein Bauch gehört mir“ hinwegtäuschen. Oder? Für die Ex-Grüne Jutta Ditfurth, die die ersatzlose Streichung des Paragrafen 218 fordert, war offenbar nichts existenziell. Sie berichtete auf X über ihre vier Schwangerschaften, von denen eine mit einer Fehlgeburt endete. Drei andere ließ sie beenden, wobei sie die zweite Abtreibung als die schönste beschreibt: in Amsterdam, modern, freundlich, emanzipiert, keine Schikanen. Sie habe keine dieser Abtreibungen bereut. Frage, ganz nebenbei: Aber warum mussten es gleich drei sein? Zurück zu Frauke Brosius-Gersdorf: Um des lieben Friedens willen – und weil es ja die Brandmauer zur AfD gibt – hat nun auch die CDU, in der es deutlich grummelte, der Kandidatur zugestimmt. Von wegen „links ist vorbei“, wie Kanzler Merz tönte. Es geht erst richtig los.