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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 11. Oktober 2024

    Rommy Arndt im Gespräch mit Bence Bauer, Rupert Scholz und Henrieke Gosch – Kontrafunk-Kommentar: Cora Stephan

    In Deutschland sollen staatlich finanzierte „Meldestellen“ künftig die Löschung von Meinungsäußerungen im Internet anweisen können. Klingt das nur nach Zensur, oder ist es das? Wir sprechen mit dem Staatsrechtler und früheren deutschen Verteidigungsminister Prof. Rupert Scholz (CDU). Nach der viel beachteten Rede des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán im EU-Parlament in Straßburg betrachten wir das Verhältnis zwischen Ungarn und der EU im Interview mit Bence Bauer, dem Direktor des Deutsch-Ungarischen Instituts für Europäische Zusammenarbeit am Mathias Corvinus Collegium in Budapest, näher. Der private Musikunterricht für Kinder und Erwachsene soll nach den Plänen der deutschen Bundesregierung künftig mit Umsatzsteuer belegt werden. Welche Folgen das haben könnte, erklärt die Bremer Geigen- und Bratschenlehrerin Henrieke Gosch. Und im Kommentar widmet sich Cora Stephan dem sogenannten Deppenapostroph, den jetzt auch intelligente Menschen benutzen dürfen.

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    Schweizerzeit

    Interview 1

    Prof. Rupert Scholz: „Meldestellen“ fürs Internet 

    Interview 2

    Bence Bauer: Das Verhältnis zwischen Ungarn und der EU

    Interview 3

    Henrieke Gosch: Umsatzsteuer auf Musikunterricht

    Kommentar

    Cora Stephan: Deppenapostroph, mon amour – von Cora Stephan

    Es geschah im Juli – und niemand hat’s gemerkt. Der Rechtschreibrat tagte und gab Rat: 41 Mitglieder aus sieben Ländern und Regionen, Wissenschaftler, Pädagogen, Journalisten, Schriftsteller diskutierten leidenschaftlich, bis man sich einig war. Der sogenannte Deppenapostroph erhielt die höheren Weihen. Anita’s Häkelgruppe ist erlaubt! Na, da ging ein Zittern durch den Blätterwald! Was für eine Verhunzung unserer Sprache, riefen die einen. Die anderen … nun: Lehrer äußerten sich zufrieden: ein Fall weniger, den sie hätten als falsch ankreuzen müssen. Als ob das Ankreuzen sooo anstrengend wäre. Und waren das nicht überhaupt die damals noch ziemlich zurückgebliebenen Ossis, die mit dieser Unsitte begonnen hatten? Eva’s Backstübchen? Otto’s Mopserei? Rudi’s Resterampe? Papa’s Powerparty? Was haben wir uns damals darüber lustig gemacht, wir arroganten Wessis, die wir ja eh alles besser wussten. Im Übrigen heißt das hässliche Konstrukt „sächsischer Genitiv“, da sieht man’s doch!

    Korinthenkacker wie unsereins sind halt empfindlich, etwa wenn die deutsche Außenministerin davon spricht, dass eine gewisse Art der Gegenwehr „in keinster Weise“ im Interesse Israels liege. Darüber kann man geteilter Meinung sein, festzuhalten ist allerdings, dass „kein“ genügt hätte, das kann man nicht steigern. Nun, wir haben bei Frau Baerbock natürlich nicht abgewunken, sondern abgewinkt. Doch manches setzt sich durch, ohne dass dazu ein Hinweis von oben gegeben worden wäre. Und manches setzt sich eben nicht durch, weshalb man heute endlich wieder Joghurt und Panther mit einem h schreiben darf. Und das Gendern, das uns von oben so dringend nahegelegt wurde und wird? Mit Sternchen und mit Glottisschlag, mit Hähnchenfilet und Hähncheninnenfilet? Da möge sich manch einer noch so mühen, Eva Normalmensch macht da nicht mit.

    Ich gestehe: Ich mag den Deppenapostroph nicht. Obwohl es einen guten Grund für ihn gibt: Carlo’s Pommesbude ist der Speisesaal von Carlo, nicht von Carlos. Carlos Pommes sind matschig, und das ganz ohne Strichelchen. Aber ein Apostroph vor dem Plural-s ist einfach nur albern. Doch man kann dem Deppenstrich zugutehalten, dass er sich demokratisch durchgesetzt hat. Auch manches, was man einst im Scherz so dahergesagt hat, ist mittlerweile in den allgemeinen Sprachschatz übergegangen, und das kann zu Verwirrung führen. Nein, wir haben Abitur, und wenn wir „lässige Sünde“ sagen, meinen wir natürlich die „lässliche“. Und der „Lebensgefährdete“ ist bester Laune, er ist ja nur der Lebensgefährte. Also nicht bös gucken, wenn wir unsere kleinen Scherze machen in Cora’s Brabbelbude! Und wo wir schon beim Scherzen sind: „Früher war mehr Lametta“ kennt natürlich nur der Loriot-Liebhaber. Ganz aktuell übrigens ist der hier: „Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen.“ Na gut, also nichts gegen den Volksentscheid von unten, auch wenn es manchmal weh tut. Für vieles andere der leidigen Rechtschreibreform von 1996 gilt das nicht. Man wollte deutsche Sprak, weil schwere Sprak, vereinfachen und erntete heftigen Protest, keineswegs nur von Schriftstellern. Was soll die hässliche Eindeutschung von Fremdwörtern wie Ketschup und Portmonee? Und warum brauchen wir jetzt drei f für das schlichte Wort „Schifffahrt“? Und bitte bitte: „Albtraum“ hat mit den Alpen nichts zu tun, schreibt sich also mit b. Viel zu oft ist übrigens das von mir heißgeliebte Eszett auf der Strecke geblieben. Seufz.

    Ja, Sprache wandelt sich durch ihren Gebrauch. So etwa wie im legendären Sprech der Modeschöpferin Jill Sander: „Ich habe verstanden, dass man contemporary sein muss, das Future-Denken haben muss. Man muss Sinn haben für das Effortless.“ Wow. Ach. Das ist etwa so sinnhaftig wie der Werbespruch „Come in and find out“, einst von der Parfümerie Douglas in die Welt gesetzt. Auch die Parole „On the run“ bei Tankstellen lädt zu Missverständnissen ein. Auf der Flucht – ohne zu bezahlen? Bei manchem Wandelwort ist mir weniger zum Lachen. Der Bro mit seinem „Wallah“ wird mir immer fremd bleiben. Lieber sage ich mit der legendären Donald-Duck-Übersetzerin Erika Fuchs: „Schwör.“ Dass beim Spaziergang entlang der Corniche Männer fröhlich Frauen zurufen: „Allahu akbar, bist du schön“, glaube ich selbst dann nicht, wenn Sawsan Chebli das behauptet. Sie wissen, das rehäugige Wunderwesen, einst Staatssekretärin in Berlin. Für manche ist Allahu akbar das Letzte, was sie hören.