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    Dienstag, 18. November 2025, 5:05 Uhr
    Dienstag, 18. November 2025, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 18. November 2025

    Marcel Joppa im Gespräch mit Philipp Erdmann, Alex Baur und Hans Ludwig Neuhoff – Kontrafunk-Kommentar: Markus Vahlefeld

    Die Reise von drei AfD-Politikern zur Brics-Konferenz im russischen Sotschi sorgte für viel Aufmerksamkeit. Prof. Hans Ludwig Neuhoff, AfD-Abgeordneter im EU-Parlament, berichtet über das Treffen. Die Reaktivierung der Wehrpflicht in Deutschland spaltet die Republik: Warum vor allem junge Menschen das Land nicht mit der Waffe verteidigen wollen, erklärt Philipp Erdmann aus dem Bundesvorstand des BSW-Jugendbündnisses. Unser Südamerika-Korrespondent Alex Baur berichtet über die Parlaments- und Präsidentenwahlen in Chile. Markus Vahlefeld kommentiert das Image der deutschen Justiz und eine unglückliche Aktion, dies aufzupolieren.

    Interview 1

    Hans Ludwig Neuhoff: Bericht von der Brics-Konferenz in Sotschi

    Interview 2

    Philipp Erdmann: Jugendliche wollen keinen Dienst an der Waffe

    Interview 3

    Alex Baur: Chile rückt politisch nach rechts

    Kommentar

    Markus Vahlefeld: Es singt und tanzt die Berliner Justiz

    Eines dieser Bilder, das oft bemüht wird, um den Zustand der herrschenden politischen Klasse in Deutschland zu beschreiben, ist das der fröhlich aufspielenden Tanzkapelle auf der sinkenden Titanic. Es ist ein durchaus treffendes Bild, das an die Grüne Emilia Fester erinnert, die – damals noch als jüngste Bundestagsabgeordnete – ihre Tanz- und Gesangsvideos im deutschen Parlamentsgebäude abdrehte, aber in einem Interview weder wusste, wer Bismarck war, noch wann die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde. Es ist diese einfältige Pflicht zum Rumhampeln und Spaß haben, die erst den Platz freiräumt, damit die grassierende Dummheit ihre volle Wucht entfalten kann. Auch die singenden und tanzenden Krankenschwestern während des Corona-Regimes sind im kollektiven Gedächtnis geblieben. Immer ist es diese zur Schau getragene Lockerheit, die jede Schweinerei noch vertuschen soll. Viele soziale Medien wie Tiktok oder Instagram haben diese Pflicht zum unbedingten Spaß haben, zur gnadenlosen Positivität noch befeuert. Ohne sie wird man schnell zum alten weißen Mann erklärt, dessen humorlose Ernsthaftigkeit als störend wahrgenommen wird. Dabei ist es die herrschende politische Klasse selbst, die das allergrößte Interesse daran hat, dass wir den Spaß nicht verlieren. Immerhin war es vor kurzem Bundeskanzler Friedrich Merz höchstselbst, der meinte, einen Gute-Laune-Appell an die Bundesbürger richten zu müssen. Niedergang der Wirtschaft, explodierende Sozialausgaben, Abschaffung demokratischer Grundwerte? Alles unerheblich, solange man nur die gute Laune nicht verliert.

    Nun hat also die Berliner Justiz vor einigen Tagen ein hübsches buntes Video veröffentlicht, in dem Sachbearbeiter, Juristen und Uniformierte singend, klatschend und tanzend durch die Flure ziehen. Dazu intonieren sie den „Youstiz-Song“, der ganz modern mit You – also mit dem englischen Du am Anfang geschrieben wird. Das soll signalisieren, dass die Justiz eine von uns ist, die uns duzt und die wir zurückduzen sollen. Hausdurchsuchungen, Clankriminalität, Gruppenvergewaltigungen, solange die Youstiz singt, dich duzt und in Videos vor Regenbogenfahnen irrlichternden Quatsch loslässt wie „Wir sind nicht grau, wir sind bunt“, ist doch alles gut. Das getanzte und beklatschte Liedchen endet dann mit „love is in the air“, also „Liebe liegt in der Luft“. Das soll also die moderne Justiz sein.

    Lassen wir Gnade vor Recht walten und kümmern wir uns nicht weiter um die infantilen Details dieses Videos. Es soll junge Menschen auf Tiktok und Instagram ansprechen, die sich für den Staatsdienst interessieren. Was es jedoch macht, ist eben die Emilia Festers dieser Welt in den Justizapparat zu locken. Und genau hier liegt das Problem: Wer sich aufgrund dieses Videos in der Berliner Justiz bewirbt, dem geht es nicht um Hoheitsrechte und Ernsthaftigkeit – oder sprechen wir es einfach deutlich aus: um die Heiligkeit einer Rechtsprechung mit 2000-jähriger römischer Tradition, ihm geht es dann um Lockerheit und Selbstverwirklichung. Das Video ist ein Symptom der Fäulnis und mehr noch vor dem Hintergrund, dass es eben der Berliner Justizapparat war, der eine Dragqueen, die im unverkleideten Leben ein wegen Kinderpornografie bereits verurteilter Mann war, bei einer Benefizgala auftreten ließ. Dass diese Benefizgala „Gemeinsambunt“ hieß und sie Geld einsammelte gegen „Hasskriminalität“, passt zu diesem Video, passt zu Berlin und passt eben auch zur politischen Klasse, die sich in Person des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner, CDU, gerne mit dieser Kinderporno-Dragqueen ablichten ließ. Die Pflicht zum Spaß haben ist halt wichtiger als der Schutz von Kindern.

    Dabei ist die zur Schau getragene Unernsthaftigkeit die Bedingung, dass jede Perversität einfach ignoriert werden kann. Weiterhin soll die Unernsthaftigkeit vergessen lassen, dass die Justiz alles sein mag, aber nicht unser Duzfreund. Richter unterliegen keinerlei demokratischer Legitimationspflicht. Ihnen kann der Wille des Volkes, wie er sich in Wahlen ausdrückt, herzlich egal sein. Das zeigt sich nicht nur in dem Umstand einer Hausdurchsuchung gegen einen konservativen Publizisten in Berlin, es zeigt sich auch in dem Umstand, dass jeder politische Versuch, an den eklatanten Missständen beispielsweise in der Asylrechtsprechung etwas zu ändern, von lockeren linken Richtern einfach durchkreuzt werden kann. Für Richter sind demokratische Wahlen ohne Bedeutung und sie sind nicht meine Duzfreunde. Selbst wenn sich die politischen Verhältnisse bald ändern, das Bollwerk in den Untergang wird der lustige Justizapparat mit der Agenda gegen Hass und für Buntheit bleiben. Ihn bei guter Laune zu halten, ist deswegen unabdingbar. Nur so kann er wie das Titanic-Tanzorchester weiter fröhlich und unbeschwert aufspielen.