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    Montag, 17. November 2025, 5:05 Uhr
    Montag, 17. November 2025, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 17. November 2025

    Stefan Millius im Gespräch mit Achijah Zorn, Lucas Amman und Franz Grüter – Kontrafunk-Kommentar: Frank Wahlig

    US-Präsident Donald Trump senkt die Zölle gegen die Schweiz von 39 auf 15 Prozent. Ob das wirklich ein Sieg oder nur eine weniger große Niederlage ist, beurteilt der Schweizer SVP-Nationalrat Franz Grüter. Welche Flaggen sollen vor evangelischen Kirchen in Deutschland wehen dürfen? Über die jüngste Entscheidung der EKD-Synode sprechen wir mit dem ehemaligen evangelischen Pfarrer Achijah Zorn. Die Medienförderung in Österreich begünstigt öffentlich-rechtliche Sender und benachteiligt private Anbieter, analysiert Lucas Ammann. Und wie im Bundestag neuerdings statt mit der Nazi-Keule mit dem Putin-Hammer gegen die AfD operiert wird, kommentiert Frank Wahlig. 

    Interview 1

    Franz Grüter: Trumps Kehrtwende bei den Zöllen gegen die Schweiz

    Interview 2

    Achijah Zorn: Flaggenstreit in Deutschlands evangelischen Kirchen

    Interview 3

    Lucas Ammann: Wie Österreichs Politik den braven ORF belohnt

    Kommentar

    Frank Wahlig: Putin-Hammer statt Nazi-Keule gegen die AfD

    Es gibt sie noch, die Gemeinsamkeiten dieser Koalition im Deutschen Bundestag. Diese Gemeinsamkeiten überlagern den ganzen Pfusch, lenken ab von Renten und Sozialplänen. Im Bundestag applaudieren sie sich gegenseitig. Nicken sich aufmunternd zu, über die Fraktionsgrenzen hinweg. Gut, dass es die AfD im Bundestag gibt. Die AfD ist der gemeinsame Gegner. Die Koalition kann den Weidels und Gaulands nicht dankbar genug sein. Die AfD bleibt das zu prügelnde „undemokratische, antisemitische, hetzerische, sexistische“ Subjekt. Es gibt eine Zusammenarbeit mit bestimmten Medien. Die Artikel und Beiträge über das Putineske, das Russlandfreundliche der AfD nehmen zu. Es wird im parlamentarischen und medialen Raum das Bild einer fünften Kolonne Putins gezeichnet. Die Nazinummer, die über Jahre aufgeführt wurde, zieht nicht mehr. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik ist die Zeit der Gewaltherrschaft, der Shoa, so verharmlost worden. Und das ausgerechnet von denen, die die Verantwortung vor der Geschichte so wohlfeil im Mund führen und wie eine Monstranz vor sich hertragen. „Die AfD ist so dreiunddreißig.“ Dieser Spruch taugt nur noch für öffentlich-rechtliche Kasper und bezahlte Demonstranten, wenn Kameras bereitstehen.

    Das Nazi-Tourette wird durch Putin-Tourette ersetzt. Keine Bundestagsdebatte, ohne die vermeintliche Putin-Nähe zu geißeln. Das wird in allen Varianten wiederholt. Manchmal ist unklar, ob der Bundestag Kabarett aufführt oder die Abgeordneten bloß Anweisungen ihrer Parteispitzen befolgen. Beispiel: Die AfD lehnt die deutsche Beteiligung am EU-Einsatz vor der libyschen Küste ab. Ein ehemaliger Offizier der Bundeswehr, jetzt AfD-Verteidigungspolitiker, begründet das Nein seiner Partei. Die Antwort der Koalition: Die Ablehnung sei ein Beweis für die Putin-Hörigkeit. Die AfD bediene die imperialen Interessen Russlands. Die Grünen stimmten dem Bundeswehreinsatz übrigens auch nicht zu. Die dürfen das. Sind ja die Guten, also über jeden Verdacht erhaben. Angefangen hat die Chose mit einem SPD-Provinzpolitiker, Georg Maier. Er ist Innenminister in Thüringen. Ein kleines Licht mit großem Ego. Maier sagte, die parlamentarischen Anfragen der Landes-AfD könnten im Auftrag des russischen Geheimdienstes geschehen. Es werde so auffällig nach sicherheitsrelevanten Details gefragt. 

    Das ist so absurd wie gewagt wie frech. Aber es funktioniert. Die Parteien im Bundestag legen nach. Streiche Nazi, setze Putin … und weiter geht’s. Sogar bei einer Debatte im Landtag von Baden-Württemberg zum Niedergang der Autoindustrie, wurde die AfD abgemeiert, mit der Begründung, man wisse ja um die Nähe dieser Partei zu Putin. Die Bild-Zeitung listet die Putin-Freunde in der AfD auf. Doch zwei Artikel weiter wird der sächsische Ministerpräsident mit der Aussage zitiert, dass Russland wieder Handelspartner werden müsse. Ist der CDU-Ministerpräsident zur AfD übergelaufen? Oder hat der Zensor nicht aufgepasst? Was ist denn mit den Putin-Verstehern der SPD? Der Paradelinke Stegner trifft russische Politiker in Baku. Keine Empörung. Was ist mit der mecklenburgischen Ministerpräsidentin Schwesig, mit dem ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Platzeck? Wenn der Waffenstillstand in der Ukraine ausbricht, wird die Vergangenheit wieder lebendig werden. Die Kontakte sind auf schlafend gestellt. Wer immer der Koalition den Rat gegeben haben mag, die AfD wegen vermeintlicher Putin-Freundlichkeit anzuprangern, hat all dies nicht bedacht.

    Mit der Nazi-Nummer war die AfD nicht kleinzukriegen. Jetzt liegt die Hoffnung auf Putin. Nur: Erste Umfragen zeigen, die Wähler interessiert das alles nicht. Nazi ist out und der Russland-Nummer fehlt Substanz. Die AfD bleibt stabil stärkste Partei. Die Koalition schaufelt weiter Geld der deutschen Steuerzahler in die Ukraine, wie ein Heizer Kohle in den Dampfkessel. Die Kriegsmaschine wird am Laufen gehalten. Es gibt von deutscher Seite keine Initiativen, den Konflikt einzudämmen. Die Ukraine gilt als korrupt, das lässt sich beweisen. Soldaten sterben an der Front, Kriegspolitiker werden reich – auch durch das Geld deutscher Steuerzahler. Dieser Widerspruch wird auch die kommende Debatte über den Haushalt prägen. Die Russland-Angst kann nicht die Fehler der Koalition verdecken. Auch wenn dies die Strategie der Merzregierung sein sollte. Gefährlicher als Putins imaginierte Soldaten ist der Autoritätsverlust der Koalitionäre. Es sind nicht Putins Soldaten, die die Türen des Reichstages eintreten, sondern all die innenpolitischen Fehlentscheidungen der Regierung. In der Tat, ein turbulenter Winter steht an.