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    Dienstag, 19. März 2024, 5:05 Uhr
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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 19. März 2024

    Marcel Joppa im Gespräch mit Kurt Joachim Lauk, Philipp Gut und Ronald Bilik – Kontrafunk-Kommentar: Michael Andrick

    In dieser Ausgabe sprechen wir mit dem Schweizer Journalisten Dr. Philipp Gut über den Ausgang der Wahl in Russland und das weitere Vorgehen von Präsident Putin. Um eine EU-Abkehr vom Verbrenner-Aus geht es in einem Interview mit dem ehemaligen EU-Abgeordneten und Präsidenten des Wirtschaftsrates der CDU sowie Ex-Daimler-Vorstand Prof. Dr. Kurt Joachim Lauk: Welche Fehler wurden gemacht, und was bedeutet das für die Automobilbranche? Mit dem Althistoriker Dr. Ronald Bilik unterhalten wir uns über Corona als Ersatzreligion und sein Buch „Pandemische Irrtümer“. In seinem Kommentar stellt Michael Andrick schließlich die Frage: Wie ist der aktuelle Zustand unserer Redefreiheit?

    Interview 1

    Wahlen in Russland

    Interview 2

    Kippt das Verbrenner-Aus?

    Interview 3

    Pandemische Irrtümer

    Kommentar

    Nie wieder könnte gestern gewesen sein

    Aktuell lese ich an verschiedenen Orten aus meinem Buch „Im Moralgefängnis“. An fast allen Anfragen, egal von wo, ist kurioserweise ein ehemaliger DDR-Bürger beteiligt. Oft sind es auch Akademiker, die am Arbeitsplatz bemerken, dass der Geist offenbar nicht mehr frei flanieren soll, wie es ihm beliebt, sondern dass es doch sicherer für sie ist, ihren Geist in die Flügel der Regierungsmühle wehen zu lassen. Ich höre immer die Sorge, dass die mit der friedlichen Revolution von 1989 überwunden geglaubte Unfreiheit eine Wiederauferstehung erlebt. Und das mitten im angeblich „besten Deutschland aller Zeiten“ (F.-W. Steinmeier), in „unserer Demokratie“, wie die Bundesrepublik neuerdings in schauerlichem Unisono von Geheimdienstchefs und den sie bestallenden Regierungspolitikern bezeichnet wird, die auf Pressekonferenzen direkt nebeneinander sitzen. Viele Bürger müssen sich jetzt fragen: „Unsere Demokratie? Wenn ihr dort in der Pressekonferenz dieses Wir darstellt, das die Demokratie als ihr Eigentum betrachtet, und wenn ich euch nicht vertraue, zu welchem Staat gehöre ich dann eigentlich?“ Spalterische Rhetorik, die in Gut und Böse einteilt, anstatt alle Bürger als frei und gleich zu respektieren, ist heute offizielle Routine in Deutschland. Man wird zur gegenseitigen Gesinnungsprüfung angestachelt: „Bist du etwa rechts?“, „Hast du das aus Hass, aus Homophobie – oder aus welchem Motiv auch immer – gesagt?“ 

    Darin liegt ein Grund, warum ich mit Blick auf unsere Kultur von einem „Moralgefängnis“ spreche. Die Wortmeldungen der Besucher meiner Lesungen spiegeln diese Verhältnisse und zeigen mir: Alle fürchten auf ihre Weise um ihre Freiheit. In Koblenz erzählt ein Schulleiter davon, wie er mit einer Regionalzeitung eine Diskussion zum Jubiläum des Grundgesetzes veranstalten wollte, Bundesprominenz inklusive. Bei schulischen Veranstaltungen ist auf parteipolitische Ausgewogenheit zu achten, so das Gesetz. Als der Schulleiter auch die AfD einlädt, sagt der Chefredakteur der Regionalzeitung ab: Er werde sich nicht mit einem AfD-Politiker aufs Podium setzen. Die Schule verzichtet nun auf die Veranstaltung, weil der Schulleiter „als für die Schüler Verantwortlicher die Grundsätze für demokratischen Diskurs nicht aufgeben“ will. Wie solle man Kinder demokratisch erziehen, ohne kontroverse Diskussion im realen Meinungsspektrum? In Hamburg möchte eine Mutter mein Buch ihrer Tochter schenken, die ihr „die Familienfotos zurückgeschickt“ habe, mit der Begründung, sie sei, seit sie die „Tagesschau“ boykottiere, „total abgedriftet“ und „rechts geworden“.

    Deshalb gebe es nun „keine Basis mehr“ für ein enges persönliches Verhältnis. Ich versuche mich an einer Vermittlerwidmung und wünsche viel Glück. Solche Geschichten habe ich viele gehört. Fanatisierte Intoleranz entzweit wieder Familien. In Berlin tritt eine Frau am ganzen Körper zitternd vors Mikrofon und beginnt ihren Beitrag mit den Worten: „Es ist so wahnsinnig schwierig für mich, hier zu stehen. Ich habe solche Angst davor, niedergemacht zu werden im Kollegenkreis, wenn die merken, dass ich kritisch gegenüber Staat und Regierung bin.“ Sie ist Lehrerin. Es heißt regierungsseitig, „Nie wieder“ sei jetzt und „wir“ müssten jetzt für „unsere Demokratie“ auf die Straße gehen, das heißt „gegen rechts“, das heißt gegen die Opposition, das heißt für die Regierung. Wir sollen sozusagen „alle heraus zum 1. Mai“, nur schon im März. Das stets pathetisch vorgebrachte „Nie wieder!“ – das könnte heißen: „Nie wieder Gesinnungsdiktat“, „Nie wieder Ausgrenzung von Andersdenkenden“, „Nie wieder Kriegspropaganda“ und vieles andere mehr. Die Besucher meiner Lesungen scheinen sich ernsthaft zu fragen, ob „Nie wieder!“ in Deutschland vielleicht nicht „jetzt“, sondern schon gestern war.