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    Freitag, 21. November 2025, 5:05 Uhr
    Freitag, 21. November 2025, 5:05 Uhr
    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 21. November 2025

    Benjamin Gollme im Gespräch mit Boris Kálnoky, Axel Pieper und Pierre Heumann – Kontrafunk-Kommentar: Oliver Gorus

    In Brasilien endet die Klimakonferenz der Vereinten Nationen. Schon jetzt ist klar: Für Deutschland wird es teuer. Die Merz-Regierung hat über eine Milliarde Euro zugesagt, die vor allem in Waldprojekte auf der Südhalbkugel fließen werden. Der Unternehmer Axel Pieper warnt: Die deutsche Klimapolitik gefährdet Existenzen. Mit dem ungarischen Journalisten und Osteuropaexperten Boris Kálnoky blicken wir auf dreißig Jahre Dayton-Abkommen. Das Sterben in Bosnien hatte ein Ende, ein echter Staat ist Bosnien-Herzegowina aber bis heute nicht. Mit unserem Korrespondenten Pierre Heumann blicken wir auf aktuelle Entwicklungen in Israel und Oliver Gorus kommentiert den Sumpf aus Politik und Wirtschaft.

    Interview 1

    Axel Pieper: Bilanz COP30

    Interview 2

    Pierre Heumann: Aktuelle Situation in Gaza und auf der Westbank

    Interview 3

    Boris Kálnoky: Lage in Bosnien 30 Jahre nach Dayton

    Kommentar

    Oliver Gorus: Das Sumpfgebiet des Ludwig-Erhard-Gipfels

    Das windige Unternehmen, das Staatsminister Weimer und seiner Frau bisher je zur Hälfte gehört und das wegen Urheberrechtsverletzungen bereits in den Schlagzeilen stand, vermarktet im Kerngeschäft „Premiumvernetzung in entspannter Atmosphäre am Tegernsee” mit der „halben Bundesregierung”: Für den Preis von 60.000 Euro darf man mit den Fürsten speisen, für 80.000 darf man mit ihnen für „vertieftes Netzwerken” im Separee verschwinden und „Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger” üben. Dass der Champagner den ganzen Abend über fließt, daran kann kein Zweifel bestehen. Als Namen für seinen Politikpuff schmückt sich Weimer mit „Ludwig-Erhard-Gipfel” – während Ludwig Erhard im Grab rotiert. Das Nachrichtenportal „Apollo News“ von Max Mannhart berichtete als Erstes über die Geschäfte des Staatsministers, weitere folgten, aber der harte Kern der regierungsnahen Medien schweigt erst mal eisern und versucht, den Skandal dadurch einzudämmen, damit der Kumpel seinen Sessel in Berlin behalten kann. Manche erinnern sich noch, dass Wüst, der heutige Ministerpräsident von NRW, einst wegen einer ziemlich identischen Affäre sein Generalsekretärspöstchen räumen musste, er verkaufte nämlich damals Einzelgespräche mit Ministerpräsident Rüttgers für 20.000 Euro. Damals, vor fünfzehn Jahren, deckte das „Der Spiegel“ auf.

    Weimer ist der typische „politische Unternehmer“ – er bezieht seinen Profit aus der Nähe zur Regierung und monetarisiert seine „Verbindungen“ als Mitglied der Regierung. Solche parasitären Lebensentwürfe sind nicht kapitalistisch, sondern korporatistisch, seine Komplizen in den Staatsämtern, die seine Verkupplungen durch ihre Anwesenheit, Verfügbarkeit und Bereitschaft zu „Einflussgesprächen” unterstützen, sind schlichtweg korrupt. Man fragt sich natürlich, welches Honorar sie für ihren Beitrag an dem „Gipfel” am Tegernsee erhalten. Der Verkauf von Pharma-Produkten oder Masken an Regierungen war zuletzt ähnlich gelagert, ließ sich aber nur drei Jahre ausbeuten, dafür immerhin hochprofitabel. Der „Hochlauf“ der Rüstungsindustrie monetarisiert gerade ähnlich lukrativ das Geschäftsfeld „Kriegsangst“.

    Die Union ist diesbezüglich ein tiefer Sumpf, die SPD steht dem in nichts nach, nur ist dort das Geschäftsfeld das „Soziale“. Die Grünen haben für ihre politischen Unternehmer zuletzt fleißig das Geschäftsfeld „Klima“ aufgebaut. Und die SED-Komplizen leben vor allem vom „Kampf gegen Rechts“. Die EU, der ÖRR und die Kirchen sind Spezialfälle, aber ebenso Teil des korporatistischen Sumpfgebiets. Alle vier Parteien zusammen bewirtschaften den Steuerzahler parasitär mit ihren NGOs, ihren „Verbindungen“ bis in höchste Staatsämter und ihren kreativen „Leistungen“. Der wertschöpfend arbeitende Bürger ist der Wirt. Die AfD hatte bislang noch keine Gelegenheit, ihr korporatistisches Geschäftsfeld aufzubauen, weil ihr noch der Zugang zu Ämtern und damit Budgets und „Verbindungen“ fehlen, aber systembedingt wird es nicht lange dauern, bis sie beim Geldabgreifen mitmacht, sobald sie sich in ersten Bundesländern aufgestellt hat und damit ein „Angebot“ für parteinahe Korporatisten geschaffen hat.

    Diese drohende Konkurrenz im organisierten Parteienkorporatismus ist der eigentliche Grund für Brandmauer und Verbotsphantasien und dafür, dass die Union bei der Dämonisierung der AfD so vehement mitmacht, denn die AfD wird vermutlich ein ähnlich gelagertes Geschäftsfeld wie die Union aufbauen wollen und der Union Marktanteile streitig machen. Das Ganze ist unvermeidlich in einer Parteienherrschaft. Die Anreizstrukturen erzeugen systematisch das Duett zwischen korrupten Politikern und regierungsnahen politischen Unternehmern. Erst wenn das System wieder in eine echte selbstverwaltende, dezentrale Volksherrschaft mit parteiunabhängigen Direktmandaten und echter Subsidiarität zurückgebaut würde, wäre kein Raum mehr für großflächigen, systematischen Korporatismus und Korruption. Einen realistischen friedlichen Pfad vom einen zum anderen System kann ich allerdings nicht erkennen, die Frösche werden den Sumpf natürlich nicht trockenlegen.