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    Donnerstag, 23. Mai 2024, 5:05 Uhr
    Donnerstag, 23. Mai 2024, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 23. Mai 2024

    Benjamin Gollme im Gespräch mit Joachim Ragnitz, Stephan Karl Sander-Faes und René Zeyer – Kontrafunk-Kommentar: Martina Binnig

    Anerkennung für Palästina! Irland, Spanien und Norwegen wollen Palästina als eigenen Staat anerkennen. Israel kritisiert die Entscheidung scharf und sieht darin eine Belohnung für Terrorismus. Darüber sprechen wir mit dem Historiker Dr. Stephan Sander-Faes von der Universität Bergen. In Deutschland soll das Rentenniveau gehalten werden. Das könnte zu Lasten der Arbeitnehmer gehen, deren Beitragssätze deutlich steigen könnten. Die Ampelkoalition ist im Streit. Unser Gast zu diesem Thema ist der Ökonom Prof. Joachim Ragnitz. Mit René Zeyer sprechen wir über Kuba in der Krise, und Martina Binnig kommentiert  den „Happy Planet Index“.

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    Junge Freiheit – Wochenzeitung für Debatte

    Interview 1

    Norwegen erkennt Palästina als Staat an

    Interview 2

    Rentenstreit der deutschen Ampelregierung

    Interview 3

    Kuba in der Krise

    Kommentar

    Vom Wohlstand zur Vanuatisierung

    Kürzlich veröffentlichte das Hot or Cool Institut – eine Denkfabrik mit Sitz in Berlin – den aktuellen Happy Planet Index, kurz: HPI. Der HPI wird mit folgender Formel berechnet: HPI gleich Lebenserwartung multipliziert mit Lebenszufriedenheit, multipliziert mit dem Ungleichheitsfaktor innerhalb eines Landes und dividiert durch den ökologischen Fußabdruck. Der letzte Punkt ist der entscheidende: Der HPI, der übrigens bereits 2006 als alternativer Fortschrittsindikator zum Bruttoinlandsprodukt von einer britischen Denkfabrik entwickelt wurde, soll nämlich weniger das Wohlbefinden der heutigen Generation aufzeigen als das vermutete Wohlbefinden künftiger Generationen. 

    Nun könnte man den Happy Planet Index als spinnerte Beschäftigungstaktik einer Fördergelder beanspruchenden Nichtregierungsorganisation abtun, doch er ist weit mehr: Längst schon beeinflusst er mächtige Institutionen wie etwa die internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD, die Europäische Union oder die Vereinten Nationen, die sich immer mehr auf das abstrakte Wohl des Planeten ausrichten anstatt auf das reale Wohlergehen der Menschen. In Wahrheit verbergen sich hinter Initiativen wie dem Happy Planet Index, die sich gerne von vorgeblich philanthropischen Stiftungen finanzieren lassen, menschenverachtende Pläne von Klimafanatikern, für die die Lebenserwartung eines Menschen weniger zählt als dessen ökologischer Fußabdruck.

    Bezeichnend ist auch, welche Länder die vorderen Plätze des Index belegen: 2016 beispielsweise waren es Costa Rica, Mexiko und Kolumbien. Zur Zeit ist es der südpazifische Inselstaat Vanuatu. Dessen Einwohner werden im Schnitt allerdings nur etwa 70 Jahre alt, wobei im Jahr 2021 die Kindersterblichkeit bei unter Fünfjährigen rund 23 pro 1000 Lebendgeburten betrug. Zum Vergleich: In Deutschland waren es lediglich vier. 26 Prozent der über 15-jährigen vanuatuischen Staatsbürger sind Analphabeten, und das knapp 1000 Kilometer lange Verkehrsnetz Vanuatus besteht zu 75 Prozent aus nicht asphaltierten Straßen und Wegen.

    Wenig überraschen kann da, dass der Geschäftsführer von Hot or Cool gleichzeitig Vollmitglied des Club of Rome und Beauftragter für Transformationsökonomie bei dessen Projekt Earth4All ist. Zur Erinnerung: Der Club of Rome lag mit seinen Untergangsszenarien, die er 1972 in „Die Grenzen des Wachstums“ veröffentlichte und die auf simplifizierenden Computersimulationen basierten, grotesk daneben. Bei Earth4All geht es nun um den Systemwandel, der innerhalb der nächsten zehn Jahre nötig sei, um den Planeten vor einer ökologischen Katastrophe zu bewahren. Die Initiative strebt eine möglichst große Kooperation von Regierungen, internationalen Organisationen und Konzernen für die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft an.

    So entsteht tatsächlich ein immer engeres und verworreneres Netz aus global agierenden Nichtregierungsorganisationen, wobei das Hot or Cool Institut beispielsweise auch die sogenannten C40-Städte unterstützt, die Klimaneutralität durch den Verzicht auf Konsum und Bewegungsfreiheit ihrer Einwohner erzielen möchten. Beide Organisationen sind sich zum Beispiel einig darin, dass jedem Bürger pro Jahr nicht mehr als drei bis acht neue Kleidungsstücke zustehen. Und der derzeitige ökologische Fußabdruck der deutschen Ernährung müsse bis 2030 um 66 Prozent und bis 2050 um 84 Prozent reduziert werden. Doch nicht nur einschlägige NGOs und Denkfabriken sind bestens miteinander vernetzt, sondern auch die dahinter stehenden Stiftungen schustern sich emsig gegenseitig Gelder zu.

    Das Hot or Cool Institut wird nämlich überwiegend von einer Stiftung mit Sitz in Dänemark finanziert, die wiederum u.a. mit dem Rockefeller Fund in New York und der ClimateWorks Foundation in San Francisco verbunden ist, die ihrerseits von Stiftungen wie etwa Bloomberg abhängig ist. Bei der Gründung von Hot or Cool im Jahr 2020 wurde ein Startkapital von 25.000 Euro festgelegt. Schon Ende 2021 verfügte Hot or Cool jedoch über ein Umlaufvermögen von über einer Million Euro. Es ist davon auszugehen, dass die Investoren in ihrem Kampf gegen den Klimawandel nicht ganz uneigennützig agieren. Wie auch immer. Die EU und besonders Deutschland eifern sowieso schon Vanuatu nach: Die Deindustrialisierung schreitet voran, der Analphabetismus auch, und die Lebenserwartung sinkt. Die Vanuatisierung der einst erfolgreichen Industrienationen nimmt Fahrt auf.