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    Mittwoch, 29. April 2026, 5:05 Uhr
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    (Wdh.02:05, 06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 29. April 2026

    Stefan Millius im Gespräch mit Florian Warweg, Cyrus Schayegh und Peter Groschupf – Kontrafunk-Kommentar: Markus Vahlefeld

    Im Iran-Krieg prallen Forderungen, Verhandlungen und Vermittlungen von allen Seiten aufeinander. Cyrus Schayegh, Professor für Internationale Geschichte, schafft einen Überblick und skizziert Szenarien. Die deutsche Autoindustrie ist im Zug der politisch gewollten Mobilitätswende vom Vorzeigeobjekt zum Sorgenkind geworden. Der Autojournalist Peter Groschupf benennt die Gründe und die Dimension der Folgen. Die Bundespressekonferenz mit rund 900 Journalisten als Mitglieder sieht sich als Kontrollorgan der Regierung. Dass sie dieser manchmal eher zu nah ist, berichtet der Journalist Florian Warweg. Und Markus Vahlefeld kommentiert einen ziemlich protektionistischen Vorschlag von linker Seite.

     

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    Winckelmann Gruppe

    Interview 1

    Cyrus Schayegh: Die Lage im Iran-Krieg bleibt verfahren

    Interview 2

    Peter Groschupf: Die deutsche Autoindustrie im Überlebenskampf

    Interview 3

    Florian Warweg: Die geheimnisvolle Welt der Bundespressekonferenz

    Kommentar

    Markus Vahlefeld: Das letzte Aufgebot der untergehenden SPD

    Sie ist das letzte Aufgebot der untergehenden SPD: Christiane Benner. Falls Sie noch nichts von ihr gehört haben sollten: Sie ist seit 2023 Vorsitzende der Industriegewerkschaft IG-Metall und wurde natürlich von den Medien als Revolution gefeiert, weil sie die erste Frau an deren Spitze war. In der Industrie hat Frau Benner einige kurze Jahre als Fremdsprachensekretärin gearbeitet, bevor sie ein gewerkschaftlich gefördertes Soziologiestudium begann, abschloss und danach den langen Marsch durch die Institutionen antrat. Wertschöpfende Arbeit ade, stattdessen eine steile Funktionärskarriere inklusive Frauenquote. Dieser Marsch führte sie nicht nur an die Spitze der größten Gewerkschaft Deutschlands, ja der Welt, sondern auch in etliche Aufsichtsräte der Automobilindustrie. Besonders am Herzen liegen Frau Benner die sozial-ökologische Wende und – natürlich – der Kampf gegen die AfD. Frau Benner ist SPD-Mitglied und also an verantwortlicher Position, wenn es um das mit Hilfe verquerer Ideologie durchgeführte Abwracken dieses Landes geht. Wer „Deutschland den Deutschen“ sagt oder womöglich auf Sylt angedüdelt singt, verliert Ruf, Studium und Job. Und „Alles für dieses Land“ darf man ja auch nicht mehr sagen. Umso verwunderlicher, dass jetzt die IG-Metall-Chefin fordert, wörtlich: „Wer in Deutschland verkauft, muss auch hier produzieren.“ Das ist ein Konzept, das nur die tumbesten Menschen überzeugend finden, weil sie denken, alles, was für den Lebensstandard produziert werden muss, könne man auch im Land herstellen – und schwupps gäbe es keine Arbeitslosigkeit mehr, sondern nur blühende Landschaften und sichere Renten. 

    In der politischen Sphäre nennt man dieses Konzept nationalen Sozialismus, und man bekommt ihn aus den deutschen Köpfen einfach nicht raus. Das größte Unternehmen des Landes, Volkswagen, ist ja eine derartig national-sozialistische Gründung, und weil Volkswagen so erfolgreich ist, denken zu viele Deutsche, dass staatlich gelenkte Planwirtschaft eine Alternative zum freien Markt sei; und mehr noch, wenn eine im Niedergang befindliche politische Klasse auf staatliche Kriegswirtschaft umstellen will. Im nationalen Sozialismus entscheidet der Staat, was im Land produziert wird, und die Bürger dürfen kaufen, was die gelenkten Unternehmen für sie bereitstellen. Spätestens seit der sozial-ökologischen Wende heißt es nicht mehr „Kraft durch Freude“ bei den deutschen Gewerkschaften, sondern „Niedergang durch Klimarettung“. „Wer in Deutschland verkauft, muss auch hier produzieren“, sagt also nun Frau Benner, und wenn es nach ihr ginge, gäbe es in Deutschland keine Smartphones mehr zu kaufen – damit wäre dann ein Social-Media-Verbot auch vom Tisch – und Orangen kennte man nur aus einer fernen Erinnerung. Die berühmte, 1989 vom Satiremagazin „Titanic“ mit einer geschälten Gurke ausgestattete „Zonen-Gaby mit ihrer ersten Banane“ dürfte dann endlich Realität werden. In Deutschland liegt der Selbstversorgungsgrad mit Obst bei 20 Prozent, der mit Gemüse bei circa 35 Prozent. Und genauso sieht es bei der Energie aus. Ob Wind, Wasser oder Sonne, wie man es bläst, dreht und wendet: Fast 70 Prozent des deutschen Energieverbrauchs werden durch Energieimporte gedeckt. Das Konzept, nur verbrauchen zu dürfen, was auch im Land produziert wird, hat also noch einige Schwächen, die man aber ganz sicher gelöst bekommt mit genügend „Degrowth“, wie fortschreitende Verarmung ganz orwellisch inzwischen genannt wird.

    Frau Benner als modisch-moderne Soziologin muss sich um derartige Petitessen aber nicht kümmern, sie steht ja nur der größten Industriegewerkschaft der Welt vor. Ihr geht es mehr darum, ihrer Partei, der SPD, wieder Wählerschichten zu erschließen, die sich vielleicht die letzten Jahre von der SPD abgewendet haben. Mit einem nationalen Sozialismus ist sie dann auch koalitionsfähig mit der ehemaligen SED, die sich nun Die Linke nennt. Und wenn dann die deutsche Arbeitsministerin Bärbel Bas, ebenfalls SPD, einen 30-Jahres-Plan fordert, der definieren soll, wohin die deutsche Wirtschaft zu steuern habe, ahnt man, wie weit das Vorhaben einer Planwirtschaft in den Köpfen bereits fortgeschritten ist. Mit 5-Jahres-Plänen wie in der DDR gibt sich die gesamtdeutsche Politik nicht zufrieden, bei ihr müssen es gleich 30 Jahre sein. Warum eigentlich nicht 100 Jahre? Politik im Hybris-Wahn. Im Jüdischen gibt es das Sprichwort: Der Mensch macht Pläne, Gott lacht. So ist es auch mit der Wirtschaft. Die Politik macht Pläne, die Wirtschaft lacht. Leider nicht laut genug. Stattdessen verlagert sie still und heimlich erst die deutschen Forschungsabteilungen und dann die deutsche Produktion in Länder, die einen ähnlichen oder sogar höheren Bildungsstandard haben, und vor allem, was Energiekosten angeht, nicht von Scheuklappenideologen, die Soziologie studiert haben, ins Verderben gestürzt werden. Und Kanzler Merz und die CDU? Sie blicken stumm auf dem ganzen Koalitionstisch herum.