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    Mittwoch, 9. August 2023, 5:05 Uhr
    Mittwoch, 9. August 2023, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05, 21:05)

    Kontrafunk aktuell vom 9. August 2023

    Andreas Peter im Gespräch mit Daniel Trappitsch, Steffen Loos und Pascal Lottaz – Kontrafunk-Kommentar: Frank Wahlig

    Steigt der Meeresspiegel tatsächlich so dramatisch an, wie behauptet wird? Das erfahren wir in der Ausgabe vom 9. August vom Diplom-Geologen Steffen Loos. Weiterhin spricht Andreas Peter mit dem in Japan forschenden und lehrenden Politikwissenschaftler Pascal Lottaz über den Taiwan-Konflikt und welche tatsächliche große Kriegsgefahr von ihm ausgeht. In unserer Reihe „Opposition – wie und wo“ begrüßen wir den Präsidenten der Schweizer Bürgerinitiative „Netzwerk Impfentscheid“, Daniel Trappitsch. Und Frank Wahlig kommentiert das Phänomen der sogenannten Sommersachverständigen.

    Interview 1

    Steigt der Meeresspiegel tatsächlich so dramatisch an?

    Interview 2

    Der Taiwan-Konflikt und die tatsächliche Kriegsgefahr

    Interview 3

    „Opposition – wie und wo“: Daniel Trappitsch von „Netzwerk Impfentscheid“

    Kommentar

    Experten ohne Ahnung

    Wenn sie nicht Politikerin wäre, dann wäre sie gerne Wissenschaftlerin geworden. Das sagt die Grünen-Parteichefin Ricarda Lang. Eine Ausbildung hat sie nicht, etwas zu Ende studiert hat sie nicht. Sie hat sich entschlossen, Politikerin zu werden. Ricarda Lang gibt als Politikerin die Expertin. Wie man ein 83-Millionen-Einwohner-Land wirtschaftlich aufstellt, das weiß sie. Wie sich Industrie und Bürger ausrichten sollen, das weiß sie auch. Sie ist der Prototypus des Experten. Wissen aus dem Stegreif. In der „Bild“-Zeitung gibt sie ihr Wissen zum Besten. Das Land brauche Investitionen, die Industrie brauche Geld vom Steuerzahler.

    So weit die Politikerin als Volkswirtschaftlerin. Da wurde ein Interview mit einer künstlichen Intelligenz geführt. Keine Einwürfe der Journalisten, ob ihr denn klar sei, was sie da von sich gibt. 

    Robert Habeck, der Mann, der den Wirtschaftsminister gibt, schwärmt von Investoren, die 100 Milliarden in Deutschland anlegen wollen. Namen könne er nicht nennen, aber alles werde gut. Dass die Regierung Steuermittel in großem Umfang in die Hand nimmt, um überhaupt noch jemanden anzulocken, darüber schweigt er. Die Journalisten grätschen dem frohen Botschafter nicht dazwischen. Expertenwissen wird nicht hinterfragt. 

    Ricarda, die Volkswirtschaftlerin, Robert, der Finanzexperte – passt schon.

    Manager stellen dagegen eine Deindustrialisierung fest, diese Leute sind gewissermaßen vom Fach und tatsächlich Experten. Für diese Experten fehlt aber die Aufmerksamkeit.

    Keine Firma, die überleben will, würde bei diesen Leuten (Robert, Ricarda, …) eine Expertise in Auftrag geben. Ausbildung, Wissen, Erfahrung und Gerede klaffen auseinander.

    Manches Unternehmen packt seine Sachen und siedelt ins Ausland um. Chemiekonzerne gehen nach Indien und China. Deutschland, nein danke. 

    Die Expertenrepublik ist für die Praktiker ein Graus. 

    Journalisten sind Experten für alles, wenn das Honorar stimmt. In der ARD-„Tagesschau“ gab es ein Stückchen über Firmen, die aus Deutschland wegziehen. Der Journalistenexperte holt sich einen Wirtschaftsexperten, und der sagt: Sollen diese Firmen doch in Klima und Soziales investieren, dann klappt es auch mit den Gewinnen in schwieriger Zeit. Das ist etwa so, als wenn man zum Verzehr von Torten aufruft, wenn das Brot fehlt. 

    Übrigens, der Experte wird von der Regierung finanziert. Das sagt der Journalist aber nicht.

    Den Journalistenexperten, die diesen Beitrag verfertigt haben, traut man zu, dass sie die Gebührengelder ins Spielkasino tragen. Der Experte redet nicht zum Thema, den Journalisten interessiert es nicht, der Film wird dennoch gesendet. 

    Expertenmeinung in der Sommerpause ist wohlfeil. Sie bedeutet wenig und ist Zeitvertreib. Wichtig ist, dass der Experte im medialen Bereich sein Köpfchen heben darf. 

    Derweil geht alles seinen Gang: Die Firmen packen, bauen woanders auf, das Wetter ist mal so und mal so. Die Grenzen sind offen. Der Illegale wird zum Schutzsuchenden, wenn er auf deutschem Boden angetroffen wird, und das System der Vollversorgung geht seinen Gang. Experten unterstreichen nur das sommerliche Laissez-faire dieser Republik. Ob all das Bedeutung für das Land hat, mag man im Herbst sehen. Was Experten sagen, fordern, meinen – unwichtig. Nichts wird umgesetzt werden. Ricarda träumt weiter vom unendlichen Geld – wann immer ihre Expertise eingeholt wird, Robert träumt von den Firmen, die sich um einen Platz unter deutscher Ökosonne balgen, wann immer ein Journalistenexperte bereitsteht.

    Der Sommer geht zu Ende. Der Kanzler soll wieder in Berlin sein, heißt es. Seine Expertise ist nicht gefragt. Warum auch. Die Experten für Opposition, Friedrich Merz und Freunde, stellen fest, dass sie gar nicht fähig und bereit sind zum Regieren. Zur Opposition auch nicht. Da kann Kanzler Scholz die Beinchen auf den Merkel-Schreibtisch legen und der Dinge harren, die da kommen. Für ihn bleibt es kommod. Er hat ja seine Experten. In den Medien und im Kabinett.