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    Donnerstag, 9. Oktober 2025, 5:05 Uhr
    Donnerstag, 9. Oktober 2025, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05)

    Kontrafunk aktuell vom 9. Oktober 2025

    Rommy Arndt im Gespräch mit Annette Heinisch, Lothar Krimmel und Caroline Hungerländer – Kontrafunk-Kommentar: Oliver Gorus

    Das Geschlecht wechseln, um ins Frauengefängnis zu kommen statt in den Männerknast und vielleicht noch früher Pension zu bekommen. Auf diese Idee kam in Wien ein verurteilter Betrüger. Über den Fall „Waltraud“ spricht die ÖVP-Abgeordnete im Wiener Landtag, Caroline Hungerländer. Worum explodieren die Kosten im deutschen Gesundheitswesen und was hat das mit der Migration zu tun? Das erklärt der Allgemein-Mediziner und frühere Geschäftsführer der kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Lothar Krimmel. Im Kommentar von Oliver Gorus geht es um den dramatischen Stellenabbau beim Autozulieferer Bosch. Wegen verdächtiger Drohnenvorfälle fordern deutsche Politiker die Ausrufung des „Spannungsfalls“. Rechtsanwältin Annette Heinisch erklärt, was das bedeuten würde. 

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    Junge Freiheit – Wochenzeitung für Debatte

    Interview 1

    Caroline Hungerländer: Der Fall „Waltraud“

    Interview 2

    Lothar Krimmel: Kostenexplosion im Gesundheitswesen

    Interview 3

    Annette Heinisch: Der Spannungsfall

    Kommentar

    Oliver Gorus: Stellenstreichungen bei Bosch

    Ich bin in Korntal aufgewachsen, einem Vorort von Stuttgart. Nördlich von uns streckte sich das wunderschöne Strohgäu aus, das dominiert wird von dem hochgelegenen Bosch-Industrie-Areal, und im Süden thront das markanteste Industriegebäude des Stuttgarter Nordens überhaupt: „Der Bosch”, ein weiterer großer Kasten mit rotem Bosch-Logo, eine Landmarke. Was ich damit sagen will: Um uns herum war fast jeder direkt oder indirekt mit dem Bau von Autos für den Weltmarkt beschäftigt. Auto, Auto, Auto. In meiner damaligen Heimat war der Satz „I schaff beim Bosch“ ganz ähnlich wie „I schaff beim Daimler” so etwas ähnliches wie Nationalstolz oder Glaubensbekenntnis, er vermittelte ein Grundvertrauen, das Richtige zu tun, dazuzugehören, verwurzelt und auf ewig sicher zu sein. Seit Gründung der Bundesrepublik ging es beim Bosch immer nur aufwärts. Die vom vollbärtigen Erfinder Robert Bosch im Kaiserreich gegründete Werkstatt in der Stuttgarter Rotebühlstraße, wo er den Magnetzünder für Verbrennungsmotoren erfand, wuchs sich aus zu einem global agierenden Hightech-Konzern mit 400.000 Mitarbeitern, dem wichtigsten Automobilzulieferer Deutschlands. Beim Bosch wurden die höchsten Gehälter gezahlt, oft arbeiteten Vater, Sohn und Enkel alle beim Bosch – dafür wurde hundertprozentige Loyalität verlangt. Aber mit dem Mythos und der Erfolgsgeschichte ist es nun vorbei: Beim Bosch werden nämlich jetzt zusätzlich zu den bereits angekündigten gut 10.000 gestrichenen deutschen Arbeitsplätzen in den nächsten Jahren weitere rund 13.000 deutsche Arbeitsplätze abgebaut.

    Das ist deshalb so bedeutend, weil metaphorisch gesprochen, der Daimler das Herz und der Bosch die Nieren der deutschen Automobilbranche sind: Die Autoindustrie in Deutschland ist an Herz und Nieren ernsthaft krank, und daran hängt dann die ganze Gesundheit des gesamten Mittelstands im Südwesten. Und wenn der Südwesten, der mit dem mittleren Neckarraum das größte Industriegebiet Europas birgt, auf der Intensivstation liegt, dann ist die deutsche Wirtschaft insgesamt ein schwerkranker Patient. Die Frage ist: Wer trägt die größere Schuld daran? Die Politiker und Bürokraten in Berlin und Brüssel, die mit ihrem Klimawahn und ihrem Etatismus den Standort versaut haben? Oder die Industriemanager, die den Politikern und Bürokraten in den Hintern gekrochen sind und stromlinienförmig jeden Irrsinn der letzten Jahrzehnte willfährig mitgemacht haben. Zu 100 Prozent beide! Aber ein Schlaglicht möchte ich werfen: Der Bosch gehört zu 94 Prozent einer Holding, einer GmbH, die wie eine Stiftung agiert. Sie verfügt über ein Kapital von über 5 Milliarden Euro und schüttet jährlich ungefähr 150 Millionen Euro für gemeinnützige Projekte aus. Diese Robert Bosch Stiftung GmbH ist damit eine der größten Stiftungen Deutschlands, sie engagiert sich gemäß dem letzten Willen von Robert Bosch für Gesundheit, Bildung und Politik und globale Fragen. 

    In den beiden ersten Feldern vollbringt die Bosch-Stiftung definitiv große Taten. Die Stiftung schiebt die medizinische Forschung an und wirbt für Reformen im Gesundheitswesen. Und im Feld Bildung versucht das Kuratorium gute Pädagogik und Schulen zu fördern, sicher ein ehrenwerter Kampf gegen Windmühlen. Robert Bosch sagte einmal: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle.“ Haken dran. Problematisch wird es im Feld „Politik und globale Fragen”. Hier verfolgt und finanziert die Stiftung vor allem links-grüne Projekte: Förderung der Masseneinwanderung, Diversity und ethnische Vielfalt, Klimaschutz. Da wird gegendert und „gegutmenscht“, was das Zeug hält. Beispielsweise gab die Stiftung ein Dossier heraus: ein „Plädoyer dafür, Klimapolitik wieder ganz oben auf die politische Agenda zu setzen. Einen entsprechenden Appell haben wir im Frühjahr rund um den Start der neuen Bundesregierung an die Politik gerichtet, im Schulterschluss mit vielen Akteur:innen aus der Zivilgesellschaft”. Der genannte Appell an die Bundesregierung liest sich dann wie das Grünen-Parteiprogramm: Klimakatastrophe, CO₂-Reduktion, Pariser Klimaziele, „Fridays for Future”, Vereinte Nationen: „Bis 2030 müssten die globalen Emissionen in etwa halbiert sein, um gute Chancen zu haben, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.” Das grüne Wahnsinnsprogramm der linksideologischen planwirtschaftlichen Energiewende eben. 

    Trump brachte es vor der Uno ja so schön auf den Punkt: Wer vollständig grün wird, geht vollständig pleite. So, liebe Menschenfreunde beim Bosch und liebe desillusionierte Bosch-Mitarbeiter, die unbeantwortete Frage dabei ist: Wie kann nur die Inhabergesellschaft eines ikonischen deutschen Industrieunternehmens mit den erwirtschafteten Gewinnen Narrative und Projekte fördern, die dem Unternehmen selbst und dem ganzen Standort Deutschland schwerste Schäden zufügen? Die Parteipolitiker haben den Industriestandort Deutschland nachhaltig zerstört. Das ist sicher. Allen voran die Granden von CDU und SPD. Und das wird auch nicht mal so eben wieder gut. Aber die Manager der deutschen Industrie haben mitgemacht, denn sie sind größtenteils heute das, was Schumpeter „Arbitrage-Entrepreneurs” genannt hat. Die deutschen Manager schleimen sich lieber bei Parteibonzen ein, um Subventionen abzustauben, als dass sie ihnen die Stirn bieten und ihre wirtschaftlichen Freiräume verteidigen, wie es sich in einer freien Marktwirtschaft gehört. Das ist eben auch Teil der Wahrheit.