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    Dienstag, 5. Dezember 2023, 5:05 Uhr
    Dienstag, 5. Dezember 2023, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 5. Dezember 2023

    Marcel Joppa im Gespräch mit Rüdiger Lucassen, Alexander Segert und Rüdiger Stobbe – Kontrafunk-Kommentar: Jan David Zimmermann
    • Deutschlands Energiepolitik gleicht international der eines Geisterfahrers. Wie schlimm die Energielage im Land tatsächlich ist, fragt Marcel Joppa den Stromdatenanalysten Rüdiger Stobbe. Dank der grünen Wirtschaftspolitik gerät nun auch die deutsche Bundeswehr ins Straucheln: Die ausgeuferten Energiekosten der Bundeswehrliegenschaften sind nur der Anfang, sagt der AfD-Bundestagsabgeordnete und Oberst a. D. der Bundeswehr Rüdiger Lucassen im Interview. Als Folge der jüngsten Politik und zahlreicher Herausforderungen kehren immer mehr Wähler den Grünen den Rücken zu und stärken stattdessen konservative Parteien – nicht nur in Deutschland, auch in der Schweiz. Wie sich die schweizerische Politiklandschaft verändert, erklärt der PR-Berater Alexander Segert, der für die SVP erfolgreich Wahlkampagnen entworfen hat. In einem Kommentar von Jan David Zimmermann geht es schließlich um die Kritik an Israel im Nahostkonflikt und um fundamentale Grenzüberschreitungen. 

    • Kontrafunk aktuell im Gespräch mit Rüdiger Stobbe

      Stromrationierung

    • Kontrafunk aktuell im Gespräch mit Rüdiger Lucassen

      Heizen statt Rüsten

    • Kontrafunk aktuell im Gespräch mit Alexander Segert

      Parteienlandschaft der Schweiz

    • Kontrafunk-Kommentar von Jan David Zimmermann

      Das Existenzrecht Israels und der nationale Mythos

      Die Kritik an Israel vonseiten rein pro-palästinensischer Stimmen nimmt bisweilen fragwürdige Dimensionen an. Einige Aspekte der gegenwärtigen Kritik sind zwar absolut nachzuvollziehen – etwa der Verweis auf die humanitäre Katastrophe für die Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen und die geforderte Notwendigkeit einer dauerhaften Feuerpause – , andererseits werden immer wieder Argumente gegen Israel ins Feld geführt, die bei genauerem Hinsehen dem Staat das Existenzrecht absprechen. Dabei wird von einer 75 Jahre andauernden Besatzung erzählt und die Palästinenser als indigene Bevölkerung hochstilisiert, der ähnlich wie den Native Americans das Land von den bösen Erstsiedlern weggenommen wurde. Komplexe Zusammenhänge werden als Halbwahrheiten zur simplifizierenden Einseitigkeit verbrämt.

      Die islamischen Staaten werden hingegen in dieser Argumentation von jeglicher Schuld bzgl. ihrer theokratischen Entwicklung und der Blockierung einer friedfertigen Lösung im Nahen Osten freigesprochen. Schuld sind in dieser Logik hingegen der Westen, die USA, der Kolonialismus und am Ende auch: die Zionisten.  Islamistischer Terrorismus, die Hamas und Geschehnisse wie der verheerende Terroranschlag vom 7.10. 2023 oder die vielen Anschläge in den Jahren davor: nicht oder nur am Rande thematisiert.  Am Ende läuft es in dieser einseitig pro-palästinensischen Argumentation nicht darauf hinaus, komplexe historische Zusammenhänge und gewalttätige Eskalationsspiralen zu rekonstruieren, sondern nur die Schuld bei Israel und dem Westen zu suchen, in einer fulminant-absurden Selbstzerfleischung, die sich den islamischen Staaten anbiedert. Nach dieser Argumentation und Logik darf Israel als Staat schließlich einfach nicht sein.Bei aller legitimer Kritik an der rechtszionistischen Ausrichtung der israelischen Regierung, an der fundamentalistischen Siedler-Bewegung und an der Bombardierung des Gaza-Streifens: Wer Israel das Existenzrecht abspricht, der überschreitet eine Grenze; dies hat nichts mit kritischer Analyse, sondern mit anti-israelischem und letztlich antisemitischem Ressentiment zu tun. Die Geschichte ist nicht rückgängig zu machen und es ist mehr als bezeichnend, wenn etwa negative Statements von israelischen Politikern herausgepickt und Israel als von Beginn an kolonialistischer Staat denunziert wird;  man könnte nun dutzende fragwürdige Statements von großen Staatsmännern der Geschichte gegeneinander aufwiegen. 

      Dabei ist Kritik an Israel, das sollte offensichtlich sein, alles andere als selten: Mit Blick auf Israel wurde die Problematik nationalistischer Ideen immer wieder zu Recht reflektiert und thematisiert, insbesondere auch von Intellektuellen aus Israel selbst. Der Historiker Shlomo Sand publizierte etwa 2010 ein Buch mit dem Titel „Die Erfindung des jüdischen Volkes“ und befasste sich mit der komplexen Frage danach, ob die Juden eine Religion oder eine Ethnie seien und wie die europäische Bewegung des Zionismus Ende des 19. Jahrhunderts - wie in anderen europäischen Staaten - auch eine spezifische Form des israelischen Nationalismus erzeugte, die schließlich, nach dem Schrecken der Shoah, den jüdischen Staat Israel möglich machte und nun von religiösen Fundamentalisten pervertiert auf die Spitze getrieben wird. Shlomo Sand bezeichnet sich etwa als Postzionist und viele Intellektuelle teilen seine Kritik. Israel hat mit Blick auf seinen Gründungsmythos also große Schwierigkeiten, aber damit ist es nicht alleine!

      Denn nationale Mythen sind immer vereinfachend und paradox, sind mit der Realität nicht unbedingt kongruent. Sie versuchen Erzählungen der betreffenden Nationen zu konstruieren, die in die graue Vorzeit zurückgreifen. Um einen Staat zu legitimieren, geht man nicht selten bis zum Urschleim zurück und versucht so zu zeigen, dass die jeweilige Nation schon Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende existiert. Bei Israel ist dies eben der Verweis auf das biblische Kanaan und Judäa. Der Politikwissenschaftler und Historiker Benedict Anderson nannte das Phänomen des Nationalismus in seinem gleichnamigen Buch aus den 1980er Jahren „imagined communities“, also imaginierte Gesellschaften und damit hat man es auch beim israelischen Nationalismus zu tun.

      Das ist aber auch in anderen Ländern, etwa in Österreich so, wo insbesondere das Nationbuilding nach dem Zweiten Weltkrieg dergestalt funktionierte, dass man versuchte, sich klar von Deutschland durch Etablierung einer spezifisch österreichischen Identität abzugrenzen. Schon in der Schule lernt man von der bekannten Ostarichi-Urkunde aus dem 10. Jahrhundert, die namensgebend für das Land war. Lokale Sagen, Bräuche und Sitten verstärken die Spezifik der österreichischen Kultur, ebenso wie der klischeehafte Bezug auf Säulenheilige wie Mozart, Strauß, Kaiserin Sissi oder das österreichische Wörterbuch als ausgewiesener Wortschatz der Österreicher. Aber diese Kultur ist natürlich in Wirklichkeit sehr hybrid, von der Geschichte des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn geprägt, von der Monarchie, vom Nationalsozialismus, vom Katholizismus, von der lange währenden wirtschaftlichen Verbindung mit Deutschland, von slawischen Einflüssen in Küche und Kleidung, von Gastarbeitern der 1950er und 60er Jahre, von den Ostjuden Galiziens, vom Jiddischen, Serbischen, Kroatischen, Tschechischen etc.

      Was also „der Österreicher“ ist oder nicht ist, ist vielfach gar nicht so leicht zu benennen, schon gar nicht über die Jahrhunderte hinweg. Nationalismen sind in ihrem Absolutheitsanspruch also am Ende immer krude. Die Kritik am israelischen Gründungsmythos läuft allerdings vielfach darauf hinaus, dass es Israel als gegenwärtigen Staat nicht geben darf. Bei keinem anderen Land wird mit Blick auf nationale Mythen derart das Existenzrecht in Frage gestellt. Und wer dies tut, der muss verstehen, dass man ihm diese Ansicht ganz einfach als das auslegt, was sie ist: als Antisemitismus.

    Kommentare
    luxpatria
    Ganz vorzüglicher Kommentar, der die Mentalität der Israel-Kritik ziemlich genau trifft. In diesen Tagen denkt man an die Leidensgenese der Juden in Europa der letzten 1000 Jahre. Immer wieder wurden Gründe vorgeschoben, alle möglichen Grausamkeiten gegenüber Juden zu rechtfertigen, während man sich ihrer ihnen aufgezwungenen Alleinstellungs merkmale heuchlerisch bediente (z.B. Kreditwesen). An meiner Wand hängt das Bild der Synagoge von Semper in Dresden. Es erinnert und mahnt mich, das Geschehene richtig einzuordnen. Und zu trauern um das, was uns in Deutschland an so Kostbarem verlorenging. Ich als Deutscher kann nicht anders und will auch nicht anders, als mit dem Staat Israel ( und der jüdischen Sache in Deutschland heute !) zu sympathisieren, komme was da wolle.
    PKlein
    Ich sehe zunehmend Tendenzen zu Polarisierung und Propaganda im Kontrafunk, wie wir sie zu Genüge von den MSM kennen. Empörend fand ich den Kommentar von Jan David Zimmermann. Ein Kommentar muss nicht die Linie der Redaktion wiedergeben. Wenn es um Israel geht, scheint es aber offenbar nur eine Linie zu geben.

    Jan David Zimmermann treibt es auf die Spitze mit der Verkomplizierun g, wenn er verschwurbelt den Gründungsmyth os Israels mit Österreich vergleicht. Ernsthaft? Ich bin kein Historiker, aber ich kann mich nicht erinnern, dass sich Österreich im 20. Jahrhundert jemals fremdes Land unter den Nagel gerissen und die dort lebende Bevölkerung brutal unterdrückt hat. Meines Wissens gibt es auch keine 200 UN-Resolutionen gegen Österreich.

    Es hängt mir auch langsam zum Halse heraus, um es mal frisch von der Leber zu sagen, dass jeder Israelkritiker um zwei Ecken dann doch zum Antisemiten erklärt wird. Gibt es darüber eigentlich auch mal Diskussionen in der Redaktion? Dieses Framing unterscheidet sich nicht von den dämlichsten Verunglimpfunge n von Maßnahmenkri tikern oder Impfunwilligen während der "Pandemie".

    Mir persönlich ist JEDE Religion herzlich egal. Ich möchte nicht bekehrt werden und niemanden bekehren. Woher nimmt Jan David Zimmermann das Recht, mir als Kritiker der israelischen Politik Antisemitismus vorzuwerfen?

    Buchfunk

    Dieser dekonstruktivis tische Kommentar ist genauso viel wert wie Aydan Özoguzs Erkenntnis,jens eits der deutschen Sprache gebe es keine spezifisch deutsche Kultur.Für die Gründung des Staates Israel gibt es nur eine einzige Rechtfertigung: die Shoah.
    Michael Wolffsohn kann sich auf den Kopf stellen,mit den Füßen einen Medizinball um dessen Achse kreisen lassen und gleichzeitig mit brennenden Fackeln jonglieren, die Rechtfertigung bleibt eine einzige: die Shoah.Die Gründung Israels wurde durch die Ansiedlung überlegener Europäer mit internationaler Bildung selbstverständlich für die unterentwickelt en Araber zu einer unerträglichen Überfremdun g und Demütigung.Blutige Unterdrückung blieb nicht aus.Besonders in den Anfangszeiten,a ls auch Folke Bernadotte ermordet wurde.Es ist, als werfe man einen Juden im 3. Stock aus dem Fenster, der aber nicht auf den harten Asfalt aufschlägt,sondern auf einen Araber fällt, der sich dann die Knochen bricht.Paradoxer und grotesker Weise fand die Gründung Israels zu einer Zeit statt,als die Europäer begannen,sich aus ihren Kolonien zurückzuziehen .Natürlich handelt es sich bei Israel nicht um eine europäische Kolonie in Arabien,aber de facto sieht es haargenau so aus.Das eigentliche Problem aber besteht darin,dass Israel von Anfang an viel zu klein war.Man kann ein Gebiet von der Größe Hessens nicht unter Wahrung der Menschenrechte vor arabischen Angriffen schützen. Deswegen ist Israel eine ewige Totgeburt (solange es so klein bleibt).

    germainer
    Von Stromrationieru ng würde ich da nicht unbedingt sprechen wollen, das klingt irgendwie viel zu negativ.
    Das rotgrüne Energieprogramm sehe ich eher als Meilerstein in der Energiehistorie . Apropos Meiler. Wiki
    bietet hierzu eine nicht kontingentierte Fülle an Erklärungsmater ial an. Ich zitiere:
    • Meiler, allgemein ein temporärer Ofen ohne eigene tragende Struktur [umgangssprachl ich geht auch
    schon mal ein Schuß in selbigen - aber das nur nebenbei]
    • Kohlenmeiler [veraltetes] Verfahren zur Holzkohlegewinn ung [no chance]
    • Biomeiler, ein Haufen biogenen Materials zur Gewinnung von Verrottungswärme [diese Variante finde ich
    besonders schön, da fürchterlich treffend auf den Punkt gebracht]
    • Atommeiler, umgangssprachli ch für Kernreakto r [ach du grüne Neune ... nee, das lassen wir besser, denn
    an diesem brennendheißen, wenn auch nur stäbchenhaft geringwertigen Thema, spalten sich die Geister
    Vergessen sei nicht - der Vollständigkeit halber - der Meiler im Zusammenhang mit Rennpferden, und zwar
    deshalb, weil die lediglich auf mittlere Distanzen spezialisiert sind (abgeleitet von der Längeneinhei t Meile).
    So, jetzt aber Schluß mit (gar nicht) lustig, sonst brennen mir nicht nur die Gäule sondern auch noch meine
    Phantasien durch. Ich sage es deshalb kurz und bündig: Strom im Eimer. Es ist alles nur noch zum Wiehern.




    Exilant
    Unsere "Eliten" liefern in Serie Bilderbuchbeisp iele für Dunning Kruger. Es ist schier nicht zu fassen.
    Wie kann es angehen, eine prosperierende Volkswirtschaft , gegründet auf Fleiß und Intelligenz der Vorväter, innerhalb so kurzer Zeit in den Ruin zu führen?
    Man kann alle seine Bücher zur deutschen Geschichte auf den Müll schmeißen. Das was wir erleben ist ohne Beispiel, nur der Exzess als Konstante ist geblieben.

    Steff82
    Zum Atomstrom aus dem Ausland war beim TE Wecker vom Wochenende ein tolles Zitat:
    Atomstrom aus dem Ausland zu kaufen, ist, als würde man beim Nachbarn kacken gehen, damit es zu Hause nicht so stinkt.

    Das ist eben die typisch grüne "not in my backyard" Mentalität, die pure Heuchelei.

    Versteylen
    Steff82 sagte :
    Zum Atomstrom aus dem Ausland war beim TE Wecker vom Wochenende ein tolles Zitat:
    Atomstrom aus dem Ausland zu kaufen, ist, als würde man beim Nachbarn kacken gehen, damit es zu Hause nicht so stinkt.


    Made my day! 😂

    Vorschlag ans Team: Ein schönes Bonmot (bevorzugt, aber nicht zwingend im Kontext mit einem der Tagesthemen) im täglichen Wechsel an prominenter Stelle auf der Startseite platzieren - jenes könnte den Anfang machen! 😄

    Aachse
    Eine Partei, die nicht einmal die moralische Kraft und den historischen Anstand hat, Covid-Faschisten wie Natalie Rikli in Zürich und Christian Arnold in Uri ohne viel Federlesen herauszuschmeis sen, ist schlicht und einfach unwählbar! So einfach ist das, Herr Segert, egal, welche Heissluft Sie hier blasen und was Sie auf Ihre Schildchen am SVP-Wahltischlein pinseln!

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