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    Dienstag, 8. April 2025, 5:05 Uhr
    Dienstag, 8. April 2025, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 8. April 2025

    Marcel Joppa im Gespräch mit Thomas Jahn, Markus Fiedler und Thomas Mayer – Kontrafunk-Kommentar: Ines Taraschonnek

    Zollkrieg, Zollhammer, Zollknüppel, so bezeichnen Medien die aktuelle US-Zollpolitik. Über die Auswirkungen und die politischen Reaktionen unterhalten wir uns mit dem Ökonomen Thomas Mayer. Die aktuellen Koalitionsverhandlungen in Deutschland und der Mitgliederschwund bei der CDU sind Thema im Interview mit Dr. Thomas Jahn, langjähriger CSU-Kommunalpolitiker und Mitbegründer der Werteunion. Die künstliche Intelligenz im Internet greift immer häufiger auf Daten von Wikipedia zurück. Welche Auswirkungen das hat, erklärt der Dokumentarfilmer Markus Fiedler. Und Ines Taraschonnek widmet sich in ihrem Kommentar dem „Systemsprenger“ Donald Trump.

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    Winckelmann Gruppe

    Interview 1

    Thomas Mayer: Die Auswirkungen der aktuellen US-Zollpolitik und die politischen Reaktionen

    Interview 2

    Thomas Jahn: Koalitionsverhandlungen und Mitgliederschwund bei der CDU

    Interview 3

    Markus Fiedler: Wikipedia und die künstliche Intelligenz

    Kommentar

    Ines Taraschonnek: Donald Trump, der Systemsprenger

    Es war im Wahlkampf 2016, als der scheidende Präsident Barack Obama sich über den Kandidaten Donald Trump und dessen Versprechen mokierte, die desolate US-Wirtschaft mithilfe „besserer Deals“ wieder auf die Füße zu bringen. Über welchen magischen Zauberstab Trump wohl verfüge, scherzte Obama und fügte hinzu, viele Jobs seien nun mal für immer verloren. Womit „Mr. Hoffnung und Wandel“ den Status der Globalisierung sozusagen als Naturgewalt zementierte, gegen die jeder Widerstand zwecklos ist.
 Donald Trump hingegen hat schon lange vor seinem Amtsantritt stets gefordert, vor der vermeintlich unabwendbaren Abwärtsspirale keinesfalls zu kapitulieren. Und so kündigte er im Wahlkampf 2024 die erneute Einführung von Zöllen an. Bis zur Ankunft eines im Labor gezüchteten Virus hatten sich diese bereits in seiner ersten Amtszeit als erfolgreich erwiesen. Doch anders als noch 2017 kam dieses Mal kein Sparschäler zum Einsatz, sondern ein Samuraischwert. Bei seiner Rede am 2. April sagte Trump denn auch ein großes Wehklagen der Globalisten voraus. Er sollte recht behalten. Sie schrien Zeter und Mordio und natürlich Handelskrieg. Vermutlich war man in Zeiten „unserer Demokratie“ schon allein davon irritiert, dass Wahlkampfversprechen tatsächlich umgesetzt werden.
 Aber das Entsetzen geht weit darüber hinaus. Vom „Sprengen des Systems“ ist die Rede. Dabei bedrohe Trump nicht nur Unternehmen weltweit, sondern auch die US-Wirtschaft selbst. Also jene Wirtschaft, die von Joe Bidens Autopen-Verwaltern längst in die Rezession getrieben wurde.
 

    Und es gibt etliche weitere Fakten, die in der allgemeinen Aufregung untergehen. Etwa, dass laut der Welthandelsorganisation WTO mehr als 150 Staaten Importzölle erheben und die USA dabei im Median bisher weit abgeschlagen noch hinter Deutschland und der EU lagen. Diese verteidigt ihre Politik übrigens mit der logischen Erklärung, dass „Zölle das Einkommen der Regierung erhöhen“ und „inländischen Produkten einen Vorteil verschaffen“. Doch ähnlich wie beim Umgang mit Gesetzen oder Freiheit oder Wahrheit gilt eben auch bei der Logik keineswegs „gleiches Recht für alle“.
 Was die sogenannten Experten außerdem ignorieren: Ausländische Unternehmen werden demnächst mit Investitionen von mehr als 5 Billionen US-Dollar die amerikanische Wirtschaft ankurbeln. Laut Reuters erhöht die Opec „überraschend“ ihre Ölfördermengen. Als wäre der von Obama zitierte „Zauberstab“ am Werk, werden die Energiepreise folglich sinken, während die von Trump angekündigte Ölproduktion in den USA langsam Fahrt aufnehmen kann. Gleichzeitig fließen durch Zölle jährlich zwischen 300 und 600 Milliarden US-Dollar in die Staatskasse. Zusätzlich wird der gesamte Verwaltungsapparat von Doge heimgesucht, um die Kosten auf ein Minimum zu reduzieren.
 Handelsminister Howard Lutnick hat kürzlich Pläne der Regierung angekündigt, die Einkommensteuer, zunächst für Einkünfte bis 150.000 US-Dollar, gänzlich abzuschaffen. Derweil spricht Finanzminister Scott Bessent von einer „Periode der Entgiftung“ als Teil einer anstehenden „Übergangsphase“. Und Donald Trump malt wieder und wieder das Bild eines „goldenen Zeitalters“.

    Entgiftung? Übergangsphase? Goldenes Zeitalter? Wird hier womöglich ein Plan verfolgt, bei dem es um weit mehr geht als um das vom „Wall Street Journal“ beschriebene Ende der Globalisierung? Nein, tönt es aus den Gazetten, Trump verfolge keinen Plan. Er agiere ohne jede Vernunft und sei zudem von einer Geltungssucht getrieben, die auch durch seine Vorliebe für Gold belegt werde. Nur schert sich die reale Welt keinen Deut um die Blase der bornierten Schubladendenker. In der realen Welt decken sich Staaten seit Jahren mit Gold ein. In der realen Welt arbeitet derzeit die Hälfte der US-Bundesstaaten daran, Gold und Silber als gesetzliches Zahlungsmittel einzuführen. In der realen Welt hat die EZB soeben einen Krisenstab eingesetzt, aus Angst, Trump könnte dafür sorgen, dass bei der nächsten globalen Finanzkrise die US-Notenbank Fed mit ihrer Dollar-Sicherungsfinanzierung nicht mehr zur Verfügung steht.
 Wie kommt die EZB darauf? Hält sie es etwa für möglich, dass Trump eine Volkswirtschaft aufbaut, die die Fed am Ende obsolet werden lässt? In den USA ist der Gedanke nicht einmal mehr halb so abwegig, wie es sich für deutsche Ohren anhören mag. Die Abschaffung der Fed – ein privat geführtes Bankenkonsortium, an das der Staat für quasi aus dem Nichts erschaffenes Geld auch noch Zinsen zahlt – wird inzwischen auch von Kongressabgeordneten gefordert.

    Und apropos Fiatgeld: Erst kürzlich berichtete Elon Musk von vierzehn Computern, die in mehreren Ministerien entdeckt wurden. Diese begleichen Rechnungen demnach mit buchstäblich aus der Luft kreiertem Geld. Es bleibt abzuwarten, wann sich der Kongress für die abseits des offiziellen Haushalts erfolgten Ausgaben interessiert. Und noch spannender wird es, sobald die Menschen anfangen, sich zu fragen, wie viel der Fed-Dollar eigentlich wert ist, wenn der Staat das Geld endlos und per Knopfdruck fließen lassen kann. Donald Trump erklärte den 2. April zum „Tag der Befreiung“. Ebenfalls an einem 2. April, im Jahr 1792, beschloss der Kongress die Einrichtung der ersten staatlichen Münzprägeanstalt der Vereinigten Staaten. Die Welt wird nicht allzu lange warten müssen, bis sich herausstellt, ob es sich um puren Zufall handelt oder um den Hinweis auf einen gewaltigen, finalen Streich von Donald Trumps „magischem Zauberstab“.