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    Freitag, 8. Dezember 2023, 5:05 Uhr
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    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 15:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 8. Dezember 2023

    Benjamin Gollme im Gespräch mit Manfred Haferburg, Alfred Schlicht und Josef Hingerl – Kontrafunk-Kommentar: Ulrich Fischer

    Im Gespräch mit dem Kerntechniker Manfred Haferburg erörtern wir die Zukunft der Kernkraft. Weltweit werden neue Werke gebaut, und die Technologie wird weiterentwickelt. Auch Bill Gates forscht mit. Weiter betrachten wir Injektionen aus rechtlicher Sicht: Über 190 Millionen Covid-Impfungen wurden in Deutschland verabreicht. Sind das über 190 Millionen Straftaten? Diesen Verdacht hat der Rechtsanwalt Dr. Josef Hingerl. Die Impfärzte hätten nicht korrekt aufgeklärt und sich damit strafbar gemacht. Und mit dem Islamwissenschaftler Dr. Alfred Schlicht geht es um die Terrorgefahr auf deutschen Weihnachtsmärkten, radikale Islamisten und das Männlichkeitsbild von Muslimen.

    Interview 1

    Regierung und Justiz

    Interview 2

    AKW-Ausbau

    Interview 3

    Islamistische Terrorgefahr

    Kommentar

    Chaos bei der Deutschen Bahn?

    Ja, es kostet Nerven und Lebensfreude und steigert das Bruttosozialprodukt nicht: Die seit einigen Jahren notorischen Eskapaden der Deutsche Bahn AG und ihrer Tochtergesellschaften in Form von Zugausfällen, versagenden Klimaanlagen, umgekehrten Wagenreihungen, Verspätungen, verpassten Umsteigemöglichkeiten und was dergleichen Vorkommnisse mehr sind – sie lösen bei allen, die mit der Bahn zu fahren gezwungen oder auch nur gewohnt sind, berechtigten Ärger aus. 

    Diejenigen aber, gegen die sich der Ärger richten sollte – die Mitglieder des Bahnvorstandes und des Aufsichtsrates der Bahn, die in trauter Übereinstimmung die üppigen Saläre der Vorstandsmitglieder aushandeln – kennt kaum einer. Kaum einer weiß, wie sich ihr Salär Jahr für Jahr aufgrund von Erfolgsprämien erhöht. Nun aber: kurzer Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer und schon steht ein Mann am Pranger, der nun wahrlich nicht dafür verantwortlich ist, dass die Lokomotivführer keine Beamten mehr sind, dass die Politik sich entschied, die Bahn zu privatisieren und gar an die Börse zu bringen, was dann krachend scheiterte. Der nicht dafür verantwortlich ist, dass die Deutsche Bahn und ihre Führungskräfte einen Großteil ihrer Arbeitskraft dafür aufwenden müssen, die Hunderten von Tochterfirmen vor allem im Ausland wenigstens ansatzweise im Blick zu halten. Ein Mann, der nichts dafür kann, dass die obersten Führungspositionen im Bahnkonzern mit Managern besetzt wurden, die aus den konkurrierenden Branchen Flugverkehr und Automobil kamen und, um es volkstümlich zu sagen, im Bereich Eisenbahn von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten. Ein Mann, der nicht dafür verantwortlich ist, dass die Tarifverträge, die er im Auftrag seiner Mitglieder für diese abschließt, zu großen Teilen vom Tarifpartner, nämlich der Deutschen Bahn, nicht angewandt werden. Claus Weselsky heisst dieser Buhmann der Nation. Er, nicht der Vorstandsvorsitzende der Bahn, wird von Sixt als Mitarbeiter des Monats präsentiert. Er scheint der eigentliche Bösewicht zu sein, auf den sich leicht einprügeln lässt. Hat er doch kein Millioneneinkommen wie seine Gegenüber am Verhandlungstisch, keine PR-Abteilung, die Woche für Woche für gute Stimmung sorgt. Da macht es sich gut und leicht, Häme, Spott, ja auch Hass zu verbreiten, zu desinformieren und für alles einen Sündenbock zu präsentieren, der dann auch noch mit deutlich sächselnder, teilweise sogar lauter Stimme seine unverschämten Forderungen präsentiert. 

    Wie soll da der Bahn fahrende Wutbürger, der die Streikenden der GDL als „vaterlandslose Gesellen“ brandmarkt, wissen, welches Knäuel an objektiven Problemen, subjektivem Versagen, falschen Strukturen, fehlerhaften Weichenstellungen und unheilvoller Kuschelei mit einer teilweise aus Hausgewerkschaft bezeichneten EVG besteht? Erinnert sich eigentlich noch einer daran, dass der ehemalige Vorsitzende dieser Gewerkschaft, die damals noch einen anderen Namen trug, nach einem Arbeitskampf der GDL zum Arbeitsdirektor der Deutsche Bahn AG und damit Großverdiener befördert wurde? Ist es wirklich im Interesse der Allgemeinheit und der Arbeitnehmer, jedes Mal, wenn eine Gewerkschaft piekst, weil sie von ihrem Grundrecht nach Art. 9 Abs. 3 Gebrauch macht und dabei nicht nur Luftballons platzen, sondern auch die Geduld der Bahnkunden, nach Einschränkungen des Streikrechts zu rufen? Welche Gewerkschaft ist denn überhaupt noch stark genug, um einen Arbeitskampf zu führen? Warum muss es denn mittlerweile außerhalb des Verkehrssektors einen Mindestlohn geben? Würde auch noch das Streikrecht zum Beispiel im Verkehrsbereich eingeschränkt, also dort, wo es manchmal tatsächlich wehtut, wo wird dann überhaupt noch gestreikt werden können? Wie kommen denn dann die Löhne zustande? Wenn sich alles an Friede, Freude, Eierkuchen und handzahme Gewerkschaften gewöhnt hat, die in Mindestlohn- und ähnlichen staatlichen Kommissionen das Salär für ihre Funktionäre einfahren?

    Und zum Schluss noch etwas für Science-Fiction-Fans: Wer glaubt, dass Herr Weselsky und die GDL die Deutsche Bahn daran gehindert hätten, auf dem deutschen Schienennetz das sogenannte autonome Fahren möglich zu machen, also  den Traum vom Schlaraffenland zu verwirklichen, der irrt. Autonomes Bahnfahren ist übrigens nur möglich mit einer Vielzahl von klugen, leistungsbereiten und schichtdienstfähigen Mitarbeitern, die im Hintergrund die notwendigen Datenmengen sammeln, strukturieren und so aufarbeiten, dass ein Streik der Lokführer der Vergangenheit angehört. Genau diese Menschen organisiert auch – man schaue in die Satzung der GDL – diese Gewerkschaft. Und wer diese Fachleute fragt, wann denn frühestens das autonome Fahren kommen wird, wird hören: nicht vor dem sogenannten Deutschland-Takt. Und wann soll der kommen: „wohl erst“, wie es euphemistisch heißt, 2070, wegen der teilweise jahrzehntealten und maroden Infrastruktur, für die nur einer zuständig ist: der Konzernvorstand der Deutsche Bahn AG und deren Tochtergesellschaft DB Netz AG.