Skip to main content
Kontrafunk live hören
Kontrafunk live hören
Kontrafunk Livestream Player
Die Nachrichten vom 15. Juni, 5 Uhr
Die Nachrichten vom 15. Juni, 10 Uhr
Die Nachrichten vom 15. Juni, 19 Uhr
Die Nachrichten vom 15. Juni, 15 Uhr
    Montag, 12. Februar 2024, 5:05 Uhr
    Montag, 12. Februar 2024, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 12. Februar 2024

    Gernot Danowski im Gespräch mit Wilhelm Stock, Andrzej Przyłębski und Bernd Duschner – Kontrafunk-Kommentar: Thomas Fasbender

    Wir schauen auf die aktuelle Lage in Polen. Dort stehen sich zwei politische Lager gegenüber. Die neue linksliberale Regierung will so rasch wie möglich die Machtbasis der alten konservativen Kräfte auflösen. Ob das mit sauberen rechtsstaatlichen Mitteln passiert, erklärt uns der ehemalige polnische Botschafter in Deutschland, Andrzej Przyłębski. Über das sich zuspitzende Verhältnis zwischen Serbien und Kosovo sprechen wir mit dem Serbien-Experten Bernd Duschner. Der ehemalige Leiter für technische Weiterbildung beim Energiekonzern RWE, Wilhelm Stock, verrät uns, was die Vorteile, aber auch die Tücken von smarten Stromzählern sind. Und Thomas Fasbender kommentiert das Interview Tucker Carlsons mit Putin.

    Interview 1

    Die Lage in Polen

    Interview 2

    Das Verhältnis zwischen Serbien und dem Kosovo

    Interview 3

    Vor- und Nachteile von Smartmetern

    Kommentar

    Die eigentliche Bedeutung des Putin-Carlson-Interviews

    Gut zwei Stunden hat der US-Moderator Tucker Carlson am vergangenen Dienstag mit dem russischen Präsidenten verbracht. Das Ergebnis war in Teilen ein Interview, in Teilen eine Geschichtsstunde zum Thema „Tausend Jahre Russland“ – eine in jeder Hinsicht erschöpfende Tour d’Horizon zu den Hintergründen und Motiven für den russischen Ukraine-Feldzug und für zwei Jahre Krieg. Interessanter als das Gespräch der beiden war die Reaktion westlicher Medien und westlicher Politiker. Praktisch vom Bundeskanzler abwärts wurde das Interview als bestenfalls überflüssig abgetan. Das Etikett „Putins Märchenstunde“ war noch harmlos. Auch dass das Interview „nichts Neues“ gebracht habe, wurde moniert. Das war auch nicht Carlsons Anspruch. Er hatte versprochen, Putin die Gelegenheit zu geben, seine Sichtweise darzulegen. Wer also an dem Interview die Wiederholung von Altbekanntem bemängelt, muss auch bemängeln, wenn Frau Strack-Zimmermann im Fernsehen zum gefühlt siebeneinhalbtausendsten Mal deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine fordert. Manche kritisierten auch, mit dem Interview gebe man dem russischen Präsidenten eine Plattform. De-Platforming, in woken Kreisen in den USA en vogue.

    Doch das verbirgt nur die Angst, die Zuschauer oder Zuschauerinnen könnten dem putinschen Narrativ am Ende etwas abgewinnen. Denn darum geht es: In jedem Konflikt, erst recht in jedem Krieg, gibt es zwei Narrative. Mindestens zwei. Das westliche Narrativ ist klar: Putin hat die völkerrechtliche Ordnung gebrochen, hat Verträge verletzt, die Russland unterschrieben hat. Die Ukraine ist ein souveränes Land mit freier, uneingeschränkter Bündniswahl. Die Weltgemeinschaft hat die Pflicht, die Ordnung wiederherzustellen. Und das russische Narrativ? Putin hat es im Detail erklärt. Der Westen hat die Ordnung missbraucht, um sein Militärbündnis, die Nato, bis an die russische Grenze voranzuschieben. Der Westen hat die Ordnung auch selbst gebrochen, in Serbien, im Kosovo. Im Verhältnis zu Israel und Palästina – und auch anderswo – agiert er doppelzüngig, mit doppelten Standards. Die Ordnung, die der Westen propagiert, sie ist nicht mehr.

    Ähnlich sehen es übrigens die Chinesen, wenn sie das UN-Gerichtsurteil zum Südchinesischen Meer nicht anerkennen. Mit einem Wort: Der Westen hält an einer Ordnung fest, an deren Autorität weite Teile des Nichtwestens längst zweifeln. Der Westen kann seine Ordnung auch nicht mehr durchsetzen. Nicht gegen Russland und ganz sicher nicht gegen China. Die Ordnung, die mit den Kriegsverbrecherprozessen 1945 in Nürnberg begann – später kamen die Vereinten Nationen dazu, die Charta der Menschenrechte, die KSZE und die Dokumente zur Abwicklung des Kalten Kriegs –, diese Ordnung bindet nicht mehr. Die Nachkriegsepoche ist vorbei. Es ist im Ukraine-Krieg, wo die widerstreitenden Kräfte in diesem epochalen Übergang kollidieren. Der Ordnung getreu ist die Ukraine souverän und frei, der Ordnung getreu ist die Krim ukrainisches Territorium – und Russland sagt: Nein. Diese Ordnung gilt nicht mehr. Ihre Fiktion wird missbraucht, um Russland zu schaden. Die Konsequenz ist Krieg, logische Folge zu einem Zeitpunkt, in dem die alte Ordnung nicht mehr bindet und eine neue Ordnung noch nicht greift. In solcher Lage, wenn keine Seite triumphieren kann, gibt es nur ein Gebot: Blutvergießen stoppen und Eskalation verhindern. Und warnen nuss man vor Generälen, die fordern, in fünf Jahren müsse Deutschland gegen Russland kriegstüchtig sein.