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    Montag, 18. September 2023, 5:05 Uhr
    Montag, 18. September 2023, 5:05 Uhr
    (Wdh.06:05, 07:05, 09:05, 12:05, 13:05, 18:05)

    Kontrafunk aktuell vom 18. September 2023

    Gernot Danowski im Gespräch mit Susanne Heger, Matthias Schrappe und Günter Born – Kontrafunk-Kommentar: Josef W. Kraus

    In der Ausgabe vom 18. September 2023 spricht Gernot Danowski mit USA-Korrespondentin Susanne Heger über die aktuellen Themen in den USA: den Besuch der deutschen Außenministerin Baerbock, drohende Verfahren gegen den US-Präsident Joe Biden und dessen Sohn Hunter Biden. Der amerikanische Software-Riese Microsoft hat wohl ein Sicherheitsproblem – Hacker haben die Zugangsmöglichkeiten für die sogenannte Azure-Cloud erbeutet – betroffen sind Regierungen, aber auch wir Nutzer. Wie das passieren konnte und was Microsoft dazu sagt, dazu äußert sich IT-Fachmann Günter Born. Der Infektiologe Prof. Matthias Schrappe verrät, wie die Wechselbeziehung zwischen Politik und Wissenschaft funktioniert bzw. nicht funktioniert. Und der Bildungsexperte Josef Kraus spricht den Kommentar des Tages zum Thema Inklusion.

    Interview 1

    Biden-Impeachment

    Interview 2

    Der kleingeredete GAU: Microsofts Clouddienst-Hack

    Interview 3

    Von Covid zum Klima: Konsequenzen Berlin Kongress

    Kommentar

    Instrumentalisierung behinderter Schüler für krude Ideologie

    Bis hinein in die UNO: Instrumentalisierung behinderter Schüler für krude Ideologie

    Die Vereinten Nationen beziehungsweise ihr jährlich 3 Milliarden US-Dollar teurer Wasserkopf, die UNO, haben mal wieder gezeigt, dass es dort auch viel um Ideologie und Bevormundung geht. Nun wurde einmal mehr Deutschland gerügt. 14 Seiten lang. Aus Genf, dem zweiten Hauptsitz der Vereinten Nationen neben New York, kam am 13. September die Kunde: Deutschland tue im Schulsystem zu wenig für die Inklusion Behinderter, indem es nach wie vor Förderschulen unterhalte. Was ist der Hintergrund? Im Jahr 2006 hatte die UN-Generalversammlung die Behinderten-Konvention angenommen. Ihr genauer Titel: „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.“ Drei Jahre später trat die Konvention in Deutschland in Kraft. Unmittelbar danach entbrannte in Deutschland – zum x-ten Mal – eine abgehobene Debatte um die Gliedrigkeit des deutschen Schulwesens. Egalisierungsfanatiker sahen „endlich“ die Einheitsschule mit bezaubernder Morgenröte heraufsteigen. Aus New York und Genf angeblich befohlen.Aber offenbar will man zweierlei nicht wahrhaben:

    Erstens: Deutschland hat eines des ausgereiftesten Förderschulwesen der Welt. Mit optimaler individueller Förderung in Kleinstgruppen, betreut von hochspezialisiertem Personal. In diesem System werden 300.000 Heranwachsende gefördert und unterrichtet: und zwar an 2.800 Förderschulen von 78.000 spezialisierten Lehrern und weiterem Betreuungspersonal. Das heißt: Auf eine Förderlehrkraft kommen statistisch 4 Schüler. Keine andere Schule mit 25-köpfigen Klassen und keine andere Schule auf der ganzen Welt kann diese individuelle Förderung leisten.

    Zweitens: Die UN-Konvention enthält keinerlei Passus, mit dem die Beschulung in Förderschulen als Diskriminierung betrachtet würde. Im Gegenteil: Artikel 5 (4) der UN-Konvention spricht davon, dass „besondere Maßnahmen … zur Beschleunigung oder Herbeiführung der tatsächlichen Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen“ nicht als Diskriminierung gelten. In Artikel 7 (2) heißt es: „Bei allen Maßnahmen, die Kinder mit Behinderungen betreffen, ist das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist.“ (In der englischen Fassung heißt „Kindeswohl“ übrigens – weitaus weniger zutreffend – „best interests“. Und auch Artikel 24 der Konvention spricht nicht von einem inklusiven einheitlichen Schulwesen.  Trotzdem tun nach wie vor viele inkl. UN so, als wäre die Existenz deutscher Förderschulen ein Verstoß gegen die UN-Konvention. Die UN-Konvention verlangt aber eben keineswegs die Schließung von Förderschulen. Was heißt das konkret für den Alltag? Inklusion als Ziel ist richtig, als Weg kann es falsch sein. In vielen Einzelfällen kann Inklusion der falsche Weg hin zu Teilhabe sein. Vor allem muss jede Behinderung individuell betrachtet werden. Es muss vermieden werden, dass Schüler mit Anforderungen konfrontiert werden, denen sie nicht gewachsen sind. Inklusion ist insofern nur dann im Sinne des Kindeswohls, wenn begründete Aussichten bestehen, dass ein Schüler das Bildungsziel der betreffenden Schulform - durchaus mittels Nachteilsausgleich - erreichen kann und die Regelklasse durch die Inklusion nicht über Gebühr beeinträchtigt wird. Es kann keinen Automatismus geben - weder bei der Überweisung in eine Förderschule noch bei der Zuweisung in eine inklusive Regelklasse. Jede Behinderung ist zu spezifisch, als dass man auf differenzierte Diagnostik und Entscheidung verzichten könnte. Der individuelle Förderbedarf eines Kindes etwa mit Trisomie 21 ist ein völlig anderer als der eines seh-, hör- oder motorisch beeinträchtigten Kindes. Entsprechend der Art der Beeinträchtigung muss denn auch das Förderkonzept ausgerichtet werden: Wenn eine Behinderung bzw. Beeinträchtigung mit Hilfe technischer oder baulicher Mittel (Digitalisierung des Unterrichts, Aufzüge in Schulgebäuden, zusätzliche Räume usw.) bzw. mit Hilfe zusätzlicher Fachkräfte kompensiert werden kann, steht einer Inklusion nichts im Wege. Anders stellen sich die Möglichkeiten der Inklusion bei verhaltensauffälligen oder kognitiv beeinträchtigten Schülern dar. Es sollte der Grundsatz gelten: So viel Inklusion wie möglich – so viel Differenzierung wie nötig! Alles in allem: Inklusion ist ein gesamtgesellschaftliches Mammutunternehmen, bei dem es um die gleiche Wertschätzung von Behinderten wie um die Wertschätzung eines jeden anderen Menschen geht; bei dem es nicht um ein „Alles oder Nichts“ bzw. um ein „Entweder – Oder“ geht, sondern um ein „Sowohl – Als auch“.  Wer deutsche Förderschulen aber – wie zuletzt wieder geschehen – mit „Selektion“ oder gar „Euthanasie“ in Verbindung bringt, der missbraucht die besonders förderbedürftigen jungen Menschen für verbohrte Ideologie. Das gilt auch für die UNO.